Full text : Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

IV.  Die  Teilung  Polens.  165

gust  1772  Oesterreich  zu  der  ihm  verbleibenden  Zips  noch  be—
trächtliche  Teile  Lodomeriens  und  Galiziens  und  Rußland  das
Land  zwischen  Düna  und  Dniepr,  jenes  im  ganzen  etwa  1400,
dieses  mehr  als  1900  Quadratmeilen  mit  drei  Millionen  und
1  800  000  Einwohnern  erhielt,  bekam  Friedrich  die  Palatinate
Pommerellen,  Kulm  und  Marienburg  nebst  der  Stadt  Elbing,
aber  ohne  Danzig  und  Thorn,  die  freie  Städte  blieben,  im
ganzen  nur  644  Quadratmeilen  mit  knapp  600  000  Einwohnern.
Diese  Gebiete  wurden  aus  jeder  Verbindung  mit  Polen  gelöst,
das  auch  dem  ihm  in  Wehlau  (Bd.  II,  S.  46)  verbrieften  Recht
auf  den  Rückfall  Preußens  beim  Aussterben  der  Hohenzollern,
der  Lehnshoheit  über  Lauenburg  und  Bütow  und  dem  Recht
zur  Einlösung  Draheims  entsagte  (Bd.  II,  S.  17).  Doch  hat
Friedrich  sich  über  den  Wortlaut  des  Vertrages  hinaus  auszubreiten
  gewußt.  Bei  der  Besitznahme  und  Grenzziehung  ließ
er  nämlich  auf  Bitten  der  preußenfreundlichen  Familie  Skorzewsky
  deren  Güter  mit  etwa  2000  meist  deutschen  Familien
noch  zu  Preußen  schlagen  und  hat,  dem  von  Oesterreich  gegebenen
  Beispiel  folgend,  noch  zweimal,  1773  und  1774,  die
Grenze  eigenmächtig  vorgerückt,  so  daß  schließlich  der  ganze
Netzedistrikt  prenßisch  war  und  er  überhaupt  139  Qnadratmeilen
  mit  150  000  Einwohnern  mehr  erhielt,  als  ihm  der
Teilungstraktat  zusprach.

Am  13.  September  1772  erschien  das  Patent,  durch  das
er  auf  Grund  des  Vertrages  vom  5.  August  von  Westpreußen
Besitz  ergriff.  Am  27.  huldigten  die  Stände  in  dem  Remter
des  Schlosses  zu  Marienburg,  das  in  seiner  Trümmerhaftigkeit
  die  Schicksale  des  Landes  wiederspiegelte,  wenn  die  Tradition
  dafür  auch  mit  Unrecht  die  Polen  verantwortlich  macht.
Die  Zerstörung  des  herrlichen  Baues,  mit  der  schwedischen  Occupation
  unter  Gustav  Adolf  begonnen,  war  durch  einen  Brand
1644  gefördert  und  durch  die  zweite  schwedische  Occupation
1655—1660  weitergeführt  worden.  Ein  übriges  that  dann
die  Verwendung  desselben  zu  seiner  Bestimmung  völlig  fremden,
recht  profanen  Zwecken  durch  die  neue  Regierung.

Mit  Ausnahme  von  Danzig  und  Thorn,  freilich  den  beiden
wichtigsten  Kulturzeutren  in  seinem  westlichen  Teile,  war  nun