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436 3. Buch. 9. Kapitel.
Deutschlands nach außen hin, hoher geistiger Entwickelung auch im
Innern. Immer wieder fühlt man sich hingezogen zu den großartigen
Gestalten, die uns als Träger dieser Cultur und dieser Politik
entgegentreten, und eine Art heroischen Glanzes umgiebt einen
Friedrich Barbarossa und den Kreis seiner kühnen Genossen in den
wechselvollsten Kämpfen. Alle aber überragt Herzog Heinrich und
ebenbürtig tritt er an die Seite des gewaltigen Hohenstaufen. Ein
schweres Verhängniß, wahrlich, war es für das Reich, daß zwischen
diesen beiden Männern Hader und Zwietracht ausbrechen mußte,
daß sie, deren feste Verbindung die Geschicke des Reiches in die glorreichsten
Bahnen hätte lenken können, statt gegen gemeinsame innere
und äußere Feinde das Schwert gegen einander ziehen mußten. In
diesem Kampfe, der den Welfen stürzte, ging eigentlich freilich nur
der Same auf, der in den letzten Jahrzehnten, ja der unter Friedrichs
I. eigener Regierung gesäet worden war, in ihm erreichte eine
Entwickelung ihren Abschluß, die schon längst im Gange gewesen,
aber nur hier und da wie zur Warnung klar zur Tage getreten war.
Für Deutschland aber wurde sie der Ausgangspunkt neuer verderblicher
Bestrebungen.
Schwer ist es, zumal bei der Unvollständigkeit unserer Kenntniß
von dem inneren Verlaufe dieser Ereignisse, das Maß der
Schuld zwischen den Betheiligten abzuwägen; des einen Streben zu
verdammen, weil es durch den Erfolg, auf den sich so viele als auf
den letzten und höchsten Richter in der Geschichte berufen, nicht gekrönt
worden, damit die Sache des andern, für die der Erfolg entschieden
hat, auch als die allein berechtigte und vernunftgemäße hinzustellen,
— das will uns eben so unbillig als unhistorisch erscheinen.
Mag, wie viele wollen, Heinrich der Löwe schwer gefehlt, mag er
wirklich allein durch seinen Abfall der Urheber geworden sein des
verhängnißvollen Ausganges, den der Kampf mit den Lombarden
nicht für Friedrich I. allein, sondern für sein ganzes Geschlecht
schließlich genommen hat: — diese Schuld beeinträchtigt seine historische
Größe nicht, vor allen Dingen darf sie uns nicht vergessen
machen, was er sonst Großes geleistet, darf uns nicht das aus dem
Auge verlieren lassen, was er wirklich Dauerndes geschaffen hat.
Wenn irgend jemand in dieser Zeit bezeichnet werden kann mit dem
Namen eines nicht bloß rastlosen, sondern auch sieg= und erfolgreichen
Vorkämpfer deutschen Wesens und deutscher Cultur, so verdient
Heinrich gewiß im vollsten Maße diese ehrenvolle Benennung.