Volltext : Reichs-Gesetzblatt. 1898. (32)

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§.  306.

Das  Protokoll  über  die  Aussage  eines  vor  der  Hauptrerhandlung  vernommenen
  Zeugen,  welcher  in  der  Hauptverhandlung  von  seinem  Rechte,  das
Zeugniß  zu  verweigern,  Gebrauch  macht,  darf  nicht  verlesen,  die  Aussage  auch
nicht  in  anderer  Weise  festgestellt  werden.

§.  307.

Erklärt  ein  Zeuge  oder  Sachverständiger,  daß  er  sich  einer  Thatsache  nicht
mehr  erinnert,  so  kann  der  hierauf  bezügliche  Theil  des  Protokolls  über  seine
frühere  Vernehmung  zur  Unterstützung  seines  Gedächtnisses  verlesen  werden.

Dasselbe  kann  geschehen,  wenn  ein  in  der  Vernehmung  hervortretender
Widerspruch  mit  der  früheren  Aussage  nicht  auf  andere  Weise  ohne  Unterbrechung
der  Hauptverhandlung  festgestellt  oder  gehoben  werden  kann.

§.  308.

Erklärungen  des  Angeklagten,  welche  in  einem  von  einem  Untersuchungsführer
  aufgenommenen  oder  gerichtlichen  Protokoll  enthalten  sind,  können  zum
Zwecke  der  Beweisaufnahme  über  ein  Geständniß  verlesen  werden.

Dasselbe  kann  geschehen,  wenn  ein  in  der  Vernehmung  hervortretender
Widerspruch  mit  der  früheren  Aussage  nicht  auf  andere  Weise  ohne  Unterbrechung
der  Hauptverhandlung  festgestellt  oder  gehoben  werden  kann.

§.  309.
In  den  Fällen  der  §§.  307,  308  ist  die  Verlesung  und  der  Grund  derselben
  auf  Antrag  des  Angeklagten  oder  des  Vertreters  der  Anklage  im  Protokolle
  zu  erwähnen.

§.  310.

Die  ein  Zeugniß  oder  ein  Gutachten  enthaltenden  Erklärungen  militärischer
Vorgesetzter,  Zeugnisse  über  Vorstrafen,  die  ein  Gutachten  enthaltenden  Erklärungen
öffentlicher  Behörden,  sowie  ärztliche  Atteste  über  Körperverletzungen,  welche  nicht
zu  den  schweren  gehören,  können  verlesen  werden.

Ist  das  Gutachten  einer  kollegialen  Fachbehörde  eingeholt  worden,  so  kann
das  Gericht  die  Behörde  ersuchen,  eines  ihrer  Mitglieder  mit  der  Vertretung  des
Gutachtens  in  der  Hauptverhandlung  zu  beauftragen  und  dem  Gerichte  zu  bezeichnen.


§.  311.
Nach  der  Vernehmung  eines  jeden  Zeugen,  Sachverständigen  oder  Mitangeklagten,

  sowie  nach  Verlesung  eines  jeden  Schriftstücks  soll  der  Angeklagte
gefragt  werden,  ob  er  etwas  zu  erklären  habe.