Full text : Europäischer Geschichtskalender. Vierzehnter Jahrgang. 1873. (14)

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Das  deutsche  Reich  und  seine  einzelnen  Glieder.

werden  wegen  Veröffentlichung  von  Excommunicationen,  obgleich  sie
das  Verbot  durch  Publication  in  lateinischer  Sprache  zu  umgehen
gemeint  hatten,  gerichtlich  verurtheilt.

In  Schlesien  wird  von  den  Pfarrcandidaten  königlichen  Patronats
die  Anerkennung  der  Maigesetze  verlangt.  —  Die  Verzeichnisse  der
fürstbischöflichen  Ernennungen  werden  nicht  mehr  im  Kirchenblatt  veröffentlicht,
  um  dieselben  der  Kenntnißnahme  der  Regierung  möglichst
zu  entziehen.

15.  Nov.  (Preußen.)  Abg.-Haus:  wählt  (mit  363  Stimmen,  Reichen-



sperger  82  St.)  v.  Bennigsen  zum  Präsidenten,  Löwe  (Fortschr.)  und
Friedenthal  (Freiconserv.)  zu  Vicepräsidenten.

„  (Preußen.)  Auch  die  Bischöfe  von  Kulm  und  von  Hildesheim
werden  wegen  Nichtanzeige  von  Ernennungen  auf  Pfarrbenefizien  gerichtlich
  verurtheilt.  Sämmtliche  preuß.  Bischöfe  sind  nunmehr  solchen
  Verurtheilungen  unterlegen.
17.   „  (Deutsches  Reich.)  Die  offiziöse  N.  A.  Z.  kommt  auf  einen
Hirtenbrief  des  Bischofs  von  Nancy  vom  3.  Aug.  d.  J.  zurück,  durch
welchen  derselbe  die  Gläubigen  zur  Abhaltung  von  Gebeten  für  die
Wiedervereinigung  von  Metz  und  Straßburg  mit  Frankreich  auffordert.
  Der  Hirtenbrief  wurde  auch  in  den  zur  Diöcese  Nancy  gehörigen
Theilen  von  Elsaß-Lothringen  von  der  Kanzel  verlesen  und  die  N.
A.  Z.  theilt  nunmehr  mit,  die  deutsche  Regierung  habe  die  französische
aufgefordert,  dem  Bischof  eine  Zurechtweisung  zu  ertheilen  und  ihm
für  die  Zukunft  ein  correcteres  Verfahren  zur  Pflicht  zu  machen.  Die
franz.  Regierung  spricht  dem  Bischof  ihr  „Bedauern“  aus,  aber  keinen
Tadel  und  hütet  sich  wohl,  auf  die  Frage  selbst  einzugehen.
„  (Preußen.)  Abg.-Haus:  Der  Finanzminister  legt  das  Budget
für  1874  und  eine  Uebersicht  der  Staatseinnahmen  und  -Ausgaben
des  J.  1872  nebst  ihren  Anlagen  und  der  dazu  gehörigen  Denkschrift
vor  und  knüpft  daran  eine  Darlegung  der  Finanzlage  des  Landes.
Dieselbe  ist  eine  überaus  befriedigende:  die  Ueberschüsse  des  J.  1872
haben  nicht  weniger  als  27  Millionen  Thlr.  betragen;  die  Staatsschuld
  ist  in  demselben  Jahre  um  80  Mill.  Thlr.  vermindert  worden.
Für  das  Jahr  1874  bleiben  von  jenen  Ueberschüssen  noch  12  ½  Mill.
disponibel;  für  dieses  Jahr  werden  von  der  Regierung  33½  Mill.
Thlr.  als  Extraordinarium  für  productive  Zwecke  verlangt.  In  dem
Budget  ist  auch  eine  Position  von  16,000  Thlr.  für  den  altkath.
Bischof  Reinkens  angesetzt,  was  folgendermaßen  motivirt  wird:
„Nachdem  der  erwählte  katholische  Bischof  Reinkens  als  solcher  landesherrlich
  anerkannt  ist  ...  erscheint  es  nothwendig,  auch  für  die  Bedürfnisse
der  altkatholischen  Kirchengemeinschaft  in  ähnlicher  Weise,  wie  für  die  übrigen
katholischen  Bisthümer  Fürsorge  zu  treffen.  Es  bedarf  dazu  nicht  die  Bewilligung
  einer  förmlichen  Dotation,  sondern  nur  der  Gewährung  von  Bedürfnißzuschüssen

  und  einmaligen  Unterstützungen.  Für  die  Bedürfnisse  der
entstehenden  einzelnen  Gemeinden  und  der  bei  ihnen  fungirenden  Geistlichen