220
Das deutsche Reich und seine einzelnen Glieder.
werden wegen Veröffentlichung von Excommunicationen, obgleich sie
das Verbot durch Publication in lateinischer Sprache zu umgehen
gemeint hatten, gerichtlich verurtheilt.
In Schlesien wird von den Pfarrcandidaten königlichen Patronats
die Anerkennung der Maigesetze verlangt. — Die Verzeichnisse der
fürstbischöflichen Ernennungen werden nicht mehr im Kirchenblatt veröffentlicht,
um dieselben der Kenntnißnahme der Regierung möglichst
zu entziehen.
15. Nov. (Preußen.) Abg.-Haus: wählt (mit 363 Stimmen, Reichen-
sperger 82 St.) v. Bennigsen zum Präsidenten, Löwe (Fortschr.) und
Friedenthal (Freiconserv.) zu Vicepräsidenten.
„ (Preußen.) Auch die Bischöfe von Kulm und von Hildesheim
werden wegen Nichtanzeige von Ernennungen auf Pfarrbenefizien gerichtlich
verurtheilt. Sämmtliche preuß. Bischöfe sind nunmehr solchen
Verurtheilungen unterlegen.
17. „ (Deutsches Reich.) Die offiziöse N. A. Z. kommt auf einen
Hirtenbrief des Bischofs von Nancy vom 3. Aug. d. J. zurück, durch
welchen derselbe die Gläubigen zur Abhaltung von Gebeten für die
Wiedervereinigung von Metz und Straßburg mit Frankreich auffordert.
Der Hirtenbrief wurde auch in den zur Diöcese Nancy gehörigen
Theilen von Elsaß-Lothringen von der Kanzel verlesen und die N.
A. Z. theilt nunmehr mit, die deutsche Regierung habe die französische
aufgefordert, dem Bischof eine Zurechtweisung zu ertheilen und ihm
für die Zukunft ein correcteres Verfahren zur Pflicht zu machen. Die
franz. Regierung spricht dem Bischof ihr „Bedauern“ aus, aber keinen
Tadel und hütet sich wohl, auf die Frage selbst einzugehen.
„ (Preußen.) Abg.-Haus: Der Finanzminister legt das Budget
für 1874 und eine Uebersicht der Staatseinnahmen und -Ausgaben
des J. 1872 nebst ihren Anlagen und der dazu gehörigen Denkschrift
vor und knüpft daran eine Darlegung der Finanzlage des Landes.
Dieselbe ist eine überaus befriedigende: die Ueberschüsse des J. 1872
haben nicht weniger als 27 Millionen Thlr. betragen; die Staatsschuld
ist in demselben Jahre um 80 Mill. Thlr. vermindert worden.
Für das Jahr 1874 bleiben von jenen Ueberschüssen noch 12 ½ Mill.
disponibel; für dieses Jahr werden von der Regierung 33½ Mill.
Thlr. als Extraordinarium für productive Zwecke verlangt. In dem
Budget ist auch eine Position von 16,000 Thlr. für den altkath.
Bischof Reinkens angesetzt, was folgendermaßen motivirt wird:
„Nachdem der erwählte katholische Bischof Reinkens als solcher landesherrlich
anerkannt ist ... erscheint es nothwendig, auch für die Bedürfnisse
der altkatholischen Kirchengemeinschaft in ähnlicher Weise, wie für die übrigen
katholischen Bisthümer Fürsorge zu treffen. Es bedarf dazu nicht die Bewilligung
einer förmlichen Dotation, sondern nur der Gewährung von Bedürfnißzuschüssen
und einmaligen Unterstützungen. Für die Bedürfnisse der
entstehenden einzelnen Gemeinden und der bei ihnen fungirenden Geistlichen