170
nisse des Staats aufzunehmen; denn Schulden des Letzteren
sind nichts als anticipirte Steuern. In England ist
in dieser Beziehung die Anomalie, daß der Koͤnig, wenn
er mehr ausgiebt als die regelmaͤßigen Einkuͤnfte betragen,
Billets auf seine Exchequers ausstellen kann, welche das Parlament,
selbst wenn die Summe dieser Schuldscheine einige
Millionen betrüge; zu übernehmen pflegt. — Ferner hängt
mit jenem Hauptrechte zusammen, wenigstens eine Theilnahme
an der Oberaufsicht über bffentliche Ausgaben und
Einnahmen, so wie über die Münze; wenigstens sollte
der Inhaber der vollziehenden Gewalt das freie Münzrecht
nicht in dem Maaße haben, daß er einen neuen Münzfuß
machen könnte; denn auch in dem Prägen geringhaltiger
Mänze liegt eine einseitige Besteurung. Noch zweifelhafter
dagegen als bei all' diesen Rechten ist die Entscheidung rücksichtlich
des Rechts des Kriegs und Friedens. Das
Beispiel von England kbunte dafür sprechen, dasselbe unbedingt
dem Inhaber der vollziehenden Gewalt zuzugestehen.
Indeß kann es in England weit unschädlicher den Händen
desselben anvertraut werden als vielleicht anderswo. Nicht
nur, weil das Parlament das Geld zur Führung eines Krieges
zu bewilligen hat, sondern auch weil England eine Seemacht
ist; also alle seine Kriege zunächst Seekriege werden
müssen. Hier nun ist nicht leicht bei einem Könige die theilnehmende
Eroberungslust zu fürchten, wie bei einer Landmacht,
denn ein Seekrieg ist für den Ehrgeiz nicht so verführerisch,
als sich in einem Landkriege an die Spitze eines
Heeres zu stellen; noch kein Kdnig war ein großer Admiral!
In Frankreich, bei Abfassung der Constitution von 1707,
traute man schon nicht, dem Kbnige eine solche bedeutende
Macht cinzuräumen. Der Krieg, heißt es hier, kann nur