58 Uebergang über die Vogesen.
7. und 8. August passirten durch Petersbach, welches 6 Meilen vom
Schlachtfelde bei Wörth entfernt liegt, französische Regimenter auf der
eiligsten Flucht und in völliger Auflösung. Kaum die Hälfte der Leute
war noch bei einander, und die Soldaten erklärten ihren Offizieren
unter Drohungen, daß sie nicht mehr gegen den Feind marschiren
würden. Die Offiziere waren nicht im Stande, den Widerstand ihrer
Untergebenen zu brechen, und es blieb ihnen nichts weiter übrig, als
sich den Fliehenden anzuschließen, welche in zwei Kolonnen über Bitsch
und über Hagenau retirirten. Ein Theil dieser flüchtigen Truppen
ging bis Belfort und wurde von dort mit dem Korps Douai auf der
Eisenbahn nach Chalons gebracht. Einige schwere Kavallerie-Regi—
menter, die in den letzten Stunden der Schlacht vom 6. August bei
Fröschweiler so furchtbar gelitten hatten, und welche meist aus Be—
wohnern des Elsaß bestanden, lösten sich völlig auf, und die Mann—
schaften suchten in ihre Heimathsorte zurückzukehren.
Dieje unglaubliche Demoralisazion einer Armee, welche sich zu
allen Zeiten für die beste der Welt ausgab, ist erklärlich. Die
französischen Offiziere hatten ihren Truppen ja stets die bestimmte Ver—
sicherung gegeben, daß die Deutschen von ihnen glänzend geworfen
werden würden. In ihrer Sorglosigkeit war die französische Militair—
verwaltung so weit gegangen, daß sie nicht einmal die der Ostgrenze
zunächst gelegenen Festungen in Vertheidigungszustand gesetzt hatte.
Das Glacis von Straßburg und Metz wurde erst geräumt, als beide
Festungen schon zernirt waren. Die kleine, aber nicht unwichtige
Festung Lützelstein wurde von den preußischen Truppen verlassen ge—
funden, die Verpallisadirung war kaum zur Hälfte vollendet, Massen
von Quadersteinen lagen unbenutzt da. Und doch hatte der General
de Failly, der am 7. August die Festung inspizirte, der 300 Mann
starken Besatzung den Befehl ertheilt, sich bis aufs äußerste zu ver—
theidigen. Die Schar war aber trotz dieses Befehles davongegangen.
Die kleine Festung Lichtenberg machte einen schwachen Versuch, sich zu
vertheidigen, ergab sich jedoch bald dem 1. würtembergischen Jäger—
bataillon. Pfalzburg vertheidigte sich tapfer, war aber von gar keiner
Bedeutung.
Durch keinerlei Widerstand aufgehalten, setzten die Truppen der