Januar 1902. 263
Die Gesamtbevölkerung der Provinz Posen hat sich seit der
Volkszählung von 1890 bis zu der von 1900 um circa 7¾ Proz.
vermehrt. Der Zuwachs der polnischen Bevölkerung beläuft sich
dabei auf circa 10½ Proz., während die Zunahme der Deutschen
nur auf circa 3¾ Proz. und nach Abzug der durch die Königliche
Ansiedelungskommission herangezogenen deutschen Bauern
sogar nur auf circa 1¾⅜8 Proz. zu schätzen ist; dabei hat die
Gesamtbevölkerung des preußischen Staates in der gleichen Zeit
um etwas mehr als 15 Proz. zugenommen. Gerade in den
Kreisen des Netzedistrikts im Regierungsbezirk Bromberg und in
denjenigen Kreisen des Regierungsbezirks Posen, die an rein
deutsche Landesteilc, wie die Provinz Schlesien und Brandenburg,
grenzen und die stets als überwiegend deutsch galten, ist
mit einem Zuwachs der polnischen Bevölkerung von rund 13 Proz.
— in einzelnen Kreisen, bei gleichzeitigem Rückgang der Deutschen
um circa 10⅛ Proz. — sogar mit einem Zuwachs von circa
14½ Proz. — zu rechnen.
In den vier Jahren von 1897 bis 1900 gingen mit Einschluß
der Erwerbungen der Ansiedelungskommission — 1910
Grundstücke mit einem Flächeninhalt von 32260 ha ans dentschem
in polnischen Besitz über, während umgekehrt nur 158 Grundstücke
im Gesamtumfang von 16 263 ha von Polen auf Deutsche
übertragen wurden. Der Verlust der deutschen Hand betrug also
1752 Grundstücke mit einer Fläche von 15 997 ha. Ohne die
Erwerbungen der Ansiedelungskommission würde der Verlust der
deutschen Hand in diesen vier Jahren allein 27 346 ha, also ungefähr
5 Quadratmeilen betragen haben. Das gleiche Bild gewährt
die Grundbesitzbewegung in den Städten der Provinz.
So gingen, um nur einige prägnante Fälle herauszugreifen, im
letzten Jahrzehnt in Ostrowo 31 Hausgrundstücke aus deutschem
Besitz in polnischen über, während nur sechs von Deutschen aus
polnischer Hand erworben wurden. In Krotoschin stehen 64 Erwerbungen
von Hausgrundststücken durch Polen aus deutscher
Hand nur 20 Erwerbungen durch Deutsche aus polnischer Hand
gegenüber. In der Stadt Posen sind während der letzten beiden
Jahre 64 Grundstücke von deutschem in polnischen und nur 59
von polnischem in deutschen Besitz übergegangen. Diese Differenz
ist anscheinend nur gering, indessen betrug der Wert der ersteren
4790000 Mark, der der letzteren 3 530 000 Mark, sodaß der