Contents : Tägliche Erinnerungen aus der sächsischen Geschichte.

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23.  März.
Kotzebue  ermordet.

Wohl  überall  in  Deutschland,  bei  Hohen  und  Niedern,  Jungen
umd  Alten  ist  der  Name  Kotzebue's,  des  Mannes  bekannt,  der  durch
seine  Lust-  und  Schauspiele  uns  so  oft  ergöht,  uns  so  manche  heitere
Stunde  bereitet  hat.  Er  war  ein  großer,  höchst  fruchtbarer  Geist,  und
nicht  allein  seine  zahlreichen  Theaterstücke  werden  noch  Jahrzehente
hindurch  mit  Freuden  gesehen  und  gelesen  werden,  sondern  auch  manches
  andere  schriftstellerische  Werk  wird  seinen  Namen  in  Ehren  erhalten.
  Da  er  in  Weimar  geboren  wurde  und  lange  in  Sachsen,  namentlich
  in  Weimar,  lebte,  so  gehört  er  gewissermaßen  auch  unfrer
Geschichte  an,  und  wir  haben  Ursache,  heute  uns  an  sein  beklagenswerthes
  Lebensende  zu  erinnern.  Kobebue  war  nemlich  schon  von
dem  Jahre  1813  und  1814  an  bei  vielen  Deutschen  in  dem  Verdachte,
  daß  er  es  mit  der  deutschen  Freiheit  nicht  wohlmeine,  daß  er
eine  freiere  Verfassung  der  deutschen  Länder  nicht  gern  sehe  und  darum
  den  Fürsten  Europa's  Rathschläge  zur  Beschränkung  der  deutschen
Völkerfreiheit  gegeben  habe.  Das  brachte  Viele,  namentlich  deutsche
Studenten,  gegen  ihn  auf,  und  einige  seiner  Schriften  wurden  deshalb
auch  1817  von  den  auf  der  Wartburg  versammelten  Studenten  verbrannt.
  Ein  studirender  Jüngling  aber,  Karl  Ludwig  Sand,
ging  noch  weiter  in  seiner  Freiheitsschwärmerei:  er  reiste  in  der  Stille
nach  Manheim,  wo  Kotzebue  mit  seiner  Familie  im  Winter  1819
verweilte,  und  wollte  den  ihm  verhaßten  Mann  ermorden.  Den  23.
März  1819  ließ  rr  sich  als  Fremden  beim  Staatsrath  Kotebue  melden,
  und  sobald  er  allein  mit  ihm  war,  stieß  er  ihn  mit  drei  Dolchstichen
  nieder.  Nach  vollbrachter  That  dankte  der  verblendete  Mörder
  sogar  noch  Gott,  daß  er  ihm  seinen  Beistand  verliehen,  brachte
der  freien  Teutonia  ein  Lebehoch  und  stieß  auch  sich  selber  den  Dolch
in  die  Brust.  Doch  ward  Sand  wieder  ins  Leben  gebracht  und  so
lange  erhalten,  bis  er  späterhin  den  Tod  durchs  Schwert  erleiden  mußte.

24.  März.

Moritz  bittet  um  die  Burggrafschaft  Ceisnig.

Vor  wenig  Tagen  gedachten  wir  des  großen  Kurfuͤrsten  Moritz
und  namentlich  seiner  Jugendjahre.  Der  heutige  Tag  ruft  uns  ebenfalls
  ein  Ereigniß  aus  dem  Jugendleben  dieses  Fürsten  vor  die  Erinnerung.
  Den  21.  März  1538  war  nemlich  der  Burggraf  von  Leisnig,
Hugo,  ohne  Erben  gestorben,  und  die  schöne  Burggrafschaft  mit  der