Metadata : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

266.  1611  615

8.  Da,  wie  wir  hoffen,  Erzherzog  Maximilian  auf  unser  Ersuchen
auch  einen  Gesandten  schicken  wird,!  so  werdet  Ihr  mit  ihm  gleichfalls
kommunizieren  und  beraten.

9.  Weil  es  den  deutschen  Fürsten  sehr  ärgerlich  gewesen  ist,
dass  der  Kaiser  sich  nicht  verheiratet  hat  und  daraus  allerlei  „Absurda‘
  erfolgt  sind,  so  werden  unsere  Gesandten  zu  betonen  haben,  dass
e8  bei  unserer  Heirat  nur  mehr  an  der  Trauung  fehlt,  die  wir
wegen  allerlei  Ungelegenheiten  und  Geschäften  der  gemeinen
Christenheit  bisher  gegen  unsern  Willen  haben  aufschieben  müssen  ;  sie
soll  aber  in  einigen  Wochen  erfolgen  und  hoffen  wir,  uns  so  zu
verheiraten,  dass  das  Reich  daraus  ersehen  wird,  „dass  unser  intention
zu  der  teutschen  nation,  auch  gemainer  christenhait  früd  und  ainigkait
zu  erhalten  genaigt  seie.‘“?

10.  Unsere  Gesandten  sind  genügend  unterrichtet,  was  mit
Bathory?  und  dessen  Haiduken,  die  er  gegen  unsere  Befehle  an
sich  gezogen  hat,  vorgegangen  ist,  wie  übel  sie  in  Oberungarn  gehaust
und  wie  sie  die  Wallachei  dazu  eingenommen  haben,  die  Bathory
neben  der  Moldau  aus  dem  alten  Verband  mit  Ungarn  loslösen  uud
sich  unterwerfen  will;  Bathory  ist  auch  wider  die  alten  Verträge
zwischen  Ungarn  und  Polen  in  dieses  Königreich  eingefallen  und
hat  daselbst  und  in  Ungarn  neue  Unruhen  angefangen,  um  dann
weitergreifen  und  andere  christliche  Länder  ebenso  bekriegen  zu  können;
zu  diesem  Zweck  praktiziert  er  auch  unaufhörlich  an  der  Pforte.
Die  Moldau  und  die  Wallachei  sind  aber  uns  und  unserm  Königreich
Ungarn  durch  alte  und  neue  Verträge  verbunden  und  Bathory  hatte
sich  vordem  eidlich  verpflichtet,  gegen  unser  Königreich  Ungarn
nichts  vorzunehmen,  die  Haiduken  wegen  ihres  Mutwillens  zu  bestrafen,
  ja  er  erbietet  sich  eben  wieder  durch  neue  Verträge  und

Gesandtschaften  dazu.  Er  hat  aber  nichts  gehalten,  die  Haiduken
haben  trotzdem  in  Oberungarn  so  gehaust,  dass  die  Landesbewohner
dagegen  „generalem  et  personalem  insurrectionem“  zu  beschliessen
gezwungen  wurden  und  können  wir  nichts  anderes  tun  als  unsere
Untertanen  und  Verbündeten  nach  Kräften  schützen.  Wir  haben
vorher  noch  durch  den  Palatin  und  die  ungarischen  Stände  Bathory
ersuchen  lassen,  gegen  die  Haiduken  gemäss  dem  geschlossenen
Vertrag  Hilfe  zu  leisten.  Was  aber  auch  darauf  erfolgt,  so  sind  wir
entschlossen,  diesem  Uebelstand  bei  Zeiten  zuvorzukommen.  —  Unsere
Gesandten  haben  dies  beim  Begehren  der  Grenzhilfe  den  Kurfürsten
vorzustellen,  damit  diese  die  den  ungarischen  Grenzen  durch  die
Türken  und  Bathory  drohende  Gefahr  desto  mehr  in  Acht  nehmen
und  desto  williger  sind,  die  uns  vordem  durch  Kurfürsten  und  Fürsten
versprochene  Grenzhilfe  zu  befördern.

i  Vgl.  no.  233,

?  Die  Vermählung  des  Königs  Matthias  mit  der  Erzherzogin  Anna,  Tochter
des  Erzherzogs  Ferdinand  von  Tirol,  fand  erst  im  Dezember  1611  statt.

s  Vgl.  A.  Huber,  Geschichte  Oesterreichs,  V.,  S.  60  f.

[Zu
Juli  6.]