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Kebersicht der Ereignisse des Jahres 1869.
Norsd. Bundesfürsten vorerst noch möglichst freien Spielraum zu lassen.
Bund.
Schließlich verdient wenigstens erwähnt zu werden, daß der Reichstag
den erneuerten Antrag Waldecks auf Gewährung von Diüäten in
erster Lesung annahm, in zweiter aber selber wieder verwarf.
Das Schwergewicht der ganzen Session des Reichstags fiel
indeß unzweifelhaft auf die finanzielle Frage. Wie schon erwähnt,
haben nicht nur die meisten der dem Bunde angehörigen Kleinstaaten
seit der Errichtung desselben mit einem steigenden Deficit zu kämpfen,
sondern es ergab sich ein solches auch in den Finanzen Preußens.
Eine Verminderung der Matricularbeiträge erschien daher
allseitig als wünschenswerth und nicht nur dieß, sondern auch wo
immer möglich zugleich eine Vermehrung der Einnahmen des Bundes,
da schon die Staatsrechnung für 1868 einen Ausfall von nicht
weniger als 3½ Mill. Thaler ergab. Allein über die Mittel und
Wege dazu gingen die Ansichten sehr auseinander. Die Regierung
hatte ihr Augenmerk auf die indirecten Steuern gerichtet, da sie sich
bezüglich dieser von der Volksvertretung viel unabhängiger fühlt und
schlug zu diesem Ende die Erhöhung mehrerer schon bestehender,
sowie die Einführung einer ganzen Reihe neuer vor. Um die Vorlagen
zu unterstützen und einen Druck auf den Reichstag und zumal
auf die preußischen Mitglieder desselben auszuüben, ließ der
preußische Finanzminister v. d. Heydt im geeigneten Moment ein
einläßliches Memoire vertheilen, in dem die Lage der preußischen
Finanzen mit den schwärzesten Farben geschildert wurden — jedoch
ganz umsonst. In dieser Beziehung stieß die Regierung auf den
allgemeinsten und entschiedensten Widerstand. Nur die Aufhebung
der Portofreiheit und die Einführung eines Wechselstempelsteuergesetzes
wurden zugestanden, dagegen alle anderen Verlangen mit
großen Mehrheiten abgelehnt, so daß die Regierung sich genöthigt
sah, ihre Vorlagen sammt und sonders zurückzuziehen. Ein Theil
der Versammlung hoffte mit ihrer Weigerung die Regierung möglicher
Weise doch zu einer Beschränkung des Militäraufwandes zu
zwingen, ein anderer wollte wenigstens keine weiteren indirecten
Steuern bewilligen, theils weil er sie überhaupt für irrationell erachtet,
theils auch weil directe Steuern geeignet scheinen, der Volksvertretung
einen größeren Einfluß auf die Höhe derselben sowohl
als auf deren Verwendung in Aussicht zu stellen.