Contents : Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen vom Jahre 1876. (42)

fälschte  Reichskassenscheine  keine  Anwendung.  Dagegen  haben  die  Staatskassen
bei  vorkommenden  Nachahmungen  oder  Fälschungen  anderen  Papiergeldes  auch
fernerhin  nach  jenen  Vorschriften  zu  verfahren.

Zu  A.  II.

Die  in  §§  1  und  5  der  obengedachten  Verordnung  vom  2.  Juni  1842  den  Polizeiund
  Justizbehörden  vorgeschriebenen  Anzeigen  und  Einsendungen  kommen  von  nun  an
bei  dem  Vorkommen  nachgemachter  oder  verfälschter  Reichskassenscheine  in  Wegfall.
  Falls  diese  Behörden  zur  zweckmäßigen  Einleitung  oder  Fortstellung  eines  Ermittelungs=
  oder  Untersuchungsverfahrens  wegen  eines  verfälschten  oder  nachgemachten
Reichskassenscheines  nähere  Mittheilungen  bedürfen,  haben  sie  künftig  nicht  das  Ministerium
  des  Innern,  wie  in  §  2  jener  Verordnung  vorgeschrieben  ist,  sondern  die  Reichsschuldenverwaltung
  darum  anzugehen.

Insoweit  es  sich  dagegen  um  Nachahmungen  oder  Fälschungen  anderen  Papiergeldes
  handelt,  ist  von  den  Polizei=  und  Justizbehörden  das  in  jener  Verordnung  vorgeschriebene
  Verfahren  auch  fernerhin  zu  beobachten.

Zu  B.  I.  1.

Die  Umtauschfähigkeit  eines  Reichskassenscheins  ist  nach  §  6,  Abs.  2  des  Reichsgesetzes
  vom  30.  April  1874  für  zweifellos  zu  erachten,  wenn  das  vorgelegte  Stück
zweifellos  zu  einem  echten  Reichskassenscheine  gehört  und  mehr  als  die  Hälfte  eines
solchen  beträgt.

Die  in  Zahlung  angenommenen,  zweifellos  umtauschfähigen  beschädigten  oder  unbrauchbar
  gewordenen  Reichskassenscheine  sind  von  den  Staatskassen  an  die  Finanzhauptkasse
  auf  Ueberschußgelder  mit  einzuliefern  oder  bei  derselben  oder  bei  einer  Ueberschüsse
einliefernden  Finanzkasse  gegen  umlaufsfähige  Reichskassenscheine  oder  baares  Geld  umzutauschen.


Seiten  sämmtlicher  Staatsbehörden  und  Kassen  ist  den  in  der  Anlage  unter  D  enthaltenen
  Bestimmungen  des  Bundesrathes,  sowie  den  vorstehend  dazu  gegebenen  näheren
Vorschriften  von  nun  an  nachzugehen.

Dresden,  den  5.  Juli  1876.

Sämmtliche  Ministerien.

Frhr.  v.  Friesen.  v.  Fabrice.  Dr.  v.  Gerber.  Abeken.
Für  den  Minister  des  Innern:
Körner.  Dr.  Schaffrath.