434 Drittes Buch. Die Rettung der Zukunft.
deutung eines Reichoterritoriums hinaus zu einem Faktor in
dem Snstem der europäischen Politik erhoben.
Während so die kirchlichen und politischen Fragen, um die
der große Krieg einst geführt war, leicht geordnet wurden,
drohte der Friede an der Ordnung der Besitzverhältnisse wiederholt
zu scheitern. Besonders tief war Brandenburg-Preußen
in diese Krisen verwickelt: von der pommerschen Frage hing
der Ausgang überhaupt ab. Von Anfang an hatte Schweden
außer dem Gelde zur Ablöhnung seiner Armee eine territoriale
Satiefaktion verlangt, nur nicht gleich Pommern als solche
gefordert. So lange sein Krieg mit Dänemark dauerte, hielt
es damit zurück. Aber gleich nach dem Frieden zu Brömsebro
offenbarten die schwedischen Legaten zu Osnabrück, was sie als
Preis des Friedens erzwingen sollten: Brandenburg sollte die
Kosten des Friedens tragen. Vom Kaiser hatte es nichts zu
hoffen: schon vor Jahren hatte er Pommern Schweden angeboten.
Von den Reicheständen hatte keiner Grund, sich für
Brandenburg zu bemühen, auch die evangelischen nicht, die sich
Schweden gern auf fremde Kosten dankbar erwiesen. Die Hoffnung,
durch die Ehe mit der jungen Königin Schwedens
Alliierter zu werden und zugleich mit dem Erlaß der rückstandigen
Kontributionen und der Näumung der noch von schwedischen
Truppen besetzten Plätze in der Mark Pommern gleichsam
als Mitgift zu erhalten, schwand eben damals endgültig.
Daß der Kurfürst diese Kombination noch immer nicht ganz
aufgab, beweist doch nur seine Nat= und Hilflosigkeit. Dann
war das Verhältnio zu Pfalz-Neuburg gespannter denn je.
Norprath bedauerte mit seinen Truppen den Sommer zur Unthätigkeit
verurteilt gewesen zu sein; jetzt machte ihre Verpflegung
Schwierigkeit. Auch die militärische Aktion, die der
Kaiser wünschte, war unmöglich: die Werbungen und sonstigen
Aufwendungen hatten die Mittel erschöpft, und man befand
sich finanziell in höchster Bedrängnis. Eine stärkere Belastung
des Landes war weder in Brandenburg noch in Preußen möglich.
Dort hatten die altmärkischen Stände vom Juni 1641
bis Januar 1015 für die schwedischen und kurfürstlichen Truppen
und für Legationen an barem Gelde 823617 Thaler auf-