Inhaltsverzeichnis : Das Königreich Württemberg.Zweiter Band_2. (3)

276  Der  Staat.

erhalten  dieselben  aus  den  dazu  bestimmten  Fonds  jährliche  Unterstützungen.  In
gleicher  Weise  dient  zu  Heranbildung  von  Lehrerinnen  das  Seminar  zu  Mark—
gröningen.  In  Eßlingen  und  Nürtingen  ist  Gelegenheit  zu  Erlernung  des  Taubstummenunterrichts,
  in  Gmünd  zur  Uebung  im  Unterricht  von  Taubstummen  und
Blinden,  in  Markgröningen  zur  Vorbildung  von  Arbeitslehrerinnen  gegeben.

Am  1.  Januar  1881  waren  vorhanden:  418  Schulpräparanden  (Privatschulamtszöglinge);
  ferner  Zöglinge  vom  3.  bis  5.  Bildungsjahr  in  den  Staatsseminaren
537,  in  den  Privatseminaren  215,  bei  einzelnen  Lehrern  5;  70  weibliche  Schulamtszöglinge;
  im  ganzen  1245,  von  denen  973  im  Geschäftskreis  der  evangelischen,  272  in
dem  der  katholischen  Oberschulbehörde.  Das  Lehrerpersonal  an  den  Staatsseminaren
betrug  61,  darunter  12  Rektoren  und  wissenschaftliche  Hauptlehrer.

Die  Statistik  von  1879.80  erwähnt  sodann  noch  5  Privatschullehrerseminare
und  1  Privatpräparandenanstalt  mit  17  Lehrern  neben  6  Vorständen  und  2  Theologen.

Im  Hauptfinanzetat  für  1881,82  ist  das  Volksschulwesen  bedacht  wie  folgt:
Kap.  79  Schullehrerseminare  227262  MA,  Kap.  80  Lehrerinnenseminar  20  719  (4,
Kap.  81  Unterstützungen  von  Privatschulamtszöglingen  98  178  MA,  Kap.  82  Besoldungen
  der  evangel.  Schuldiener  75  631  4  43  Pf.,  Kap.  83  Entschädigungen  derselben
  für  Einkommensverluste  durch  Ablösungen  3  600  MA,  Kap.  84  Sonstiger  Aufwand
  auf  die  evangel.  Volksschule  64  800  MA,  Kap.  85  Besoldungen  der  katholischen
Schuldiener  34  920  A  39  Pf.,  Kap.  86  Entschädigung  derselben  für  Einkommensverluste
  durch  Ablösungen  1  471  M  24  Pf.,  Kap.  87  Sonstiger  Aufwand  auf  die
kathol.  Volksschulen  41  871  71  Pf.,  endlich  Kap.  88  Alterszulagen  für  Schullehrer
und  Beiträge  an  Gemeinden  zu  den  Gehalien  ihrer  Schullehrer  769  000  IK.

Außerordentliche  Verwilligungen  aus  dem  Restvermögen  scit  1858:  117  000  fl.
für  Schullehrerseminare  (1871  und  1872),  80  000  fl.  Staatsbeiträge  an  Gemeinden
zu  Schullehrerwohnungen  (1865),  ferner  36  000  A  (1881)  und  für  das  Schullehrerseminar
  in  Saulgau  324  500  ∆  (1877  und  1879);  dann  aus  der  französischen
Kriegsentschädigung  für  das  Seminar  in  Künzelsau  68  571.43  ,  für  das  in  Nagold
  640  000  4#.

Von  den  in  Württemberg  eingestellten  Rekruten  sollen  0,02  Proz.  weder  lesen,
noch  ihren  Namen  schreiben  können.  Aehnlich  die  Erfahrungen  in  den  Strafanstalten.
Als  man  in  den  letzteren  vor  einigen  Jahren  näher  nachforschte,  zeigte  es  sich,  daß
die  betreffenden  keine  Württemberger  waren,  und  nur  1  derselben  zwar  aus  dem
Lande,  aber  aus  der  Zeit  lange  vor  Erlassung  des  Volksschulgesetzes  vom  29.  Sept.
1836  stammte.

J.  Mit  den  Volksschulen  sind  vielfach  Arbeitsschulen  für  Mädchen  verbunden,
in  welchen  dieselben,  meist  nur  im  Winterhalbjahr,  in  wöchentlich  3.—4  Stunden  in
den  nöthigsten  weiblichen  Arbeiten  (Stricken,  Häkeln,  Nähen,  Flicken)  Unterricht  erhalten.
  Letztmals  1870/71  wurden  gezählt  975  solcher  Schulen  in  evangel.  Gemeinden,
  564  in  katholischen,  dort  mit  42949  Mädchen  (und  629  Knaben)  und
1  272  Lehrerinnen,  in  den  kathol.  Gemeinden  mit  21  597  Mädchen  (und  1157  Knaben)
und  672  Lehrerinnen.  Staatsbeiträge  1881/83  Kap.  89  26  000  +∆  und  1  660  4
zu  Abhaltung  kleinerer  Lehrkurse.  Zu  unterscheiden  von  den  Arbeitsschulen  sind
die  Industrieschulen,  unter  der  Fürsorge  der  Armenkommission  und  zum  Erwerb  für
arme  Kinder  bestimmt.

K.  Die  Erziehungsanstalten:  die  3  Waisenhäuser  in  Stuttgart,  Markgröningen
  und  Ochsenhausen  und  die  Taubstummen=  und  Blindenanstalten  zu
Gmünd,  Eßlingen  und  Nürtingen;  jenes  öffentliche,  zum  Theil  auf  Kosten  des  Staats
unterhaltene  Erziehungs=  und  Unterrichtsanstalten  für  rund  600  vermögenslose  Waisen