Thiers über die glorreiche französische Armee. 157
Zustimmung hiezu binnen einem Monat verschafft. 3. Die deutsche
Regierung ist bereit, gegen weitere Abtretungen bei Diedenhofen
noch weiteres Gebiet bei Belfort abzutreten."“ Im Schlußprotokoll
erklärte der Reichskanzler, daß er es über sich nehme, die Zustimmung
der Regierungen von Baiern, Württemberg und Baden herbeizuführen.
Dieselbe erfolgte am 15. Mai in einem von den Vertretern dieser
3 Staaten in Berlin unterzeichneten Protokoll. Die Vortheile dieses
Friedensvertrages für Deutschland sind einleuchtend. Sie bestehen
hauptsächlich in der Verstärkung der Garantieen für Ausführung
des Friedens, in Abkürzung der Fristen für die Zahlung der 2 ersten
Milliarden, in Verlängerung der Dauer der Oceupation in einzelnen
Gebietstheilen. Deutschland hat so viele Sicherheiten erlangt, als
überhaupt zu fordern möglich war. Der Vertrag, zumal geschlossen
unmittelbar nach den mehr als zweideutigen Verhandlungen der
französischen Bevollmächtigten zu Brüssel, war ein neuer Triumph
der Bismarck'schen Politik.
Es fragte sich nun, was die Nationalversammlung in Versailles
dazu sage. Thiers theilte in der Sitzung vom 11. Mai den Abschluß
des Friedensvertrages mit und, von den Kriegsgefangenen,
die alle dem Vaterlande zurückgegeben würden, sprechend, äußerte
er: „Unsere glorreiche, tapfere Armee wird auf eine weit größere
Zahl, als die Präliminarien zuerst erlaubten, gebracht werden können.
Unsere Armee hat übrigens in Europa den hohen Ruf des französischen
Namens und der Macht Frankreichs wieder hergestellt. Und
man läßt ihr neuerdings Gerechtigkeit in der Welt widerfahren."
Treffend bemerkt hierüber eine Zeitung aus dem neutralen Oestreich,
die Wiener „Presse“: „Das Oberhaupt des besiegten und gedemüthigten
Frankreichs ergieng sich in ruhmredigen Wendungen, in
Schmeicheleien für die Armee, als kehrte diese von einem glänzend
beendigten Feldzuge und nicht aus der Kriegsgefangenschaft heim;
der leitende Staatsmann des siegreichen Deutschlands sprach so einfach
und natürlich, als wäre gar nichts Großes vorgefallen, als hätte
er nicht soeben in Frankfurt den Schlußstein der denkwürdigsten
Epoche neuerer Geschichte gesetzt, sondern als käme er von einer
Badereise zurück. Der tiefe Widerspruch zwischen deutschem und
französischem Wesen, der riesige Unterschied zwischen der heutigen
Stellung Deutschlands und der Lage Frankreichs, sie springen jedem
in die Augen, der die Reden von Bismarck und Thiers mit ein-