122 Der Wirtschaftsfrleden im Often.
Weise unabhängig zu machen von beträchtlichen Bezügen aus Nord-Amerika.
So wie die Dinge zur Zeit jenes Friedeneschlusses standen,
waren die europäischen Mittelmächte auf das lebhafteste daran interessiert,
den wirtschaftlichen Aufbau in ihrem nordöstlichen, östlichen und südöstlichen
Hinterlande zu fördern, um hierdurch die Produktionssteigerung
dieser Gebiete nicht nur den Drohungen dee britischen Wirtschaftskriegee
zu entziehen, sondern auch die aus Gründen der verschlechterten Zahlungebilanz
gebotene Einschränkung der amerikanischen Bezüge durchsetzen zu
können und gleichzeitig einen wesentlich erweiterten Absatzmarkt vor
ihren Toren zu entwickeln. Da zuhätten sie Osteuropa und Vorderasien
zur Seite stehen müssen mit der Lieferung von Berkehremitteln,
landwirtschaftlichen Maschinen, künstlichem Dünger, Einrichtungen für die
landwirtschaftliche Industrie, Ausbau des gemeinschaftlichen Binnenwasserstraßennetzes
usw. Sie hätten ferner auf die Auswandereranwerbung
in Osteuropa Verzicht leisten und an geeigneten Stellen (baltische
Provinzen) mitwirken müssen an der vermehrten Besiedelung des Landee.
Was insbesondere den landwirtschaftlichen Einfuhrbedarf
anbelangt, so verlohnt es, bei diesem wichtigen Teil unserer Handelebeziehungen
etwas eingehender zu verweilen, wofür ung während des Krieges
ausgezeichnetes Material zur Verfügung gestellt worden ist in einer
Augarbeitung des Krieges-Ausschussee der deutschen Landwirtschaft über
Deutschlande auswärtigen Handel im Jahre 1913 und Durchschnitt
1911/1913 mit landwirtschaftlich wichtigen Waren. Die darin zusammen--gestellten
Tafeln geben ein abgerundetes Bild unserer Einfuhr an landwirtschaftlichen
Erzeugnissen und Bedarfsgegenständen vor dem Kriege
nach Waren und nach Ländern und schaffen wertvollen Aufschluß für die
Klärung der Frage, nach welchen Richtungen wir unsere eigene Erzeugung
weiter auszubauen trachten müssen und welche Gebiete für die ergänzende
Versorgung durch Einfuhr die größte Bedeutung haben.
Unser landwirtschaftlicher Einfuhrbedarf gliedert sich in den der Landwirtschaft
(an Betriebs-, Futter-, Düngemitteln und dergleichen) und
in den an landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die der eigene Boden nach
Umfang und Klima nicht genügend oder überhaupt nicht hervorbringen
kann. Fassen wir alle Warengruppen dieser landwirtschaftlichen Einfuhr
zusammen, so ergibt sich nach Abzug der entsprechenden Ausfuhrmengen,
daß der Gesamtbetrag zwar nicht der Menge, wohl aber dem Werte nach
den Hauptteil der deutschen Einfuhr ausmacht. Ee ist das teile auf den
steigenden Eigenbedarf der deutschen Landwirtschaft an Einfuhr von Betriebe-
und Futtermitteln, vornehmlich aber auf die große Einfuhr solcher
Bodenerzeugnisse zurückzuführen, die in Deutschland nicht erzeugt werden
können (Baumwolle ). Für den Bedarf an Nahrungemitteln, die wir