Volltext : Bismarck und das päpstliche Rom.

—  216  —

ist  daher  eine  besondere  Fügung  der  Vorsehung,  daß  die  föderalistische
Bewegung  in  einem  katholischen  Staate  beginnt  und  namentlich  in  einem
Lande,  wo  die  Verteidiger  der  lokalen  Autonomien  mit  der  katholischen
Partei  gemeinsame  Sache  machen.‘

Wenn  Bismarck  für  seinen  Feldzug  gegen  das  päpstliche
Rom  die  Regierungen  in  Bayern  und  anderswo  ‚schwach  und
feig  genug‘‘  gefunden  habe,  seine  Geschäfte  zu  besorgen,  so
werde  die  römisch-katholische  Bevölkerung  trotzdem  ihm  einen
Wall  entgegensetzen,  und  der  Tag  noch  kommen,  an  welchem
„alle  in  Deutschland  verfolgten  Katholiken  und  Konservativen“
ihre  Blicke  hoffnungsvoll  auf  Österreich  richten  würden.

„Könnte  man  all  diesen  Ländern  (nämlich  den  deutschen  Bundesstaaten)‘,
  hieß  es  in  einem  Artikel  der  Genfer  Korrespondenz  vom  20.  Juli
1871,  „mit  Gewißheit  sagen,  Österreich  habe  den  ernstlichen  Willen,  sich
an  die  Spitze  der  katholischen  Bewegung  zu  stellen,  so  würde  ein  einstimmiger
  Freudenruf  vom  Rhein  bis  zur  Donau  erschallen.‘‘

Das  preußische  Heer  freilich,  mit  Königgrätz  und  Sedan
auf  seiner  Fahne,  ließ  die  Hoffnung,  es  in  offenem  Kampfe  zu
besiegen,  nicht  aufkommen.  An  einen  Aufstand  im  Innern
war  ebensowenig  zu  denken.  Wie  aber,  wenn  es  gelingen  sollte,
den  römisch-katholischen  Soldaten  gegen  die  Heeresleitung
selbst  zu  rebellieren  ?

„Freilich  braucht  Bismarck  nicht  zu  fürchten‘,  hieß  es  abermals
in  der  Genfer  Korrespondenz,  „daß  wir  Barrikaden  aufrichten,  das  Straßenpflaster
  aufreißen  und  den  Kampf  mit  seinen  unbesieglichen  Armeen  aufnehmen
  wollen;  aber  seine  Armeen  werden  selbst  aufhören,
  ihren  Moltke  zu  verehren,  sobaldsie  zu  der
Einsichtgelangen,  daß  MoltkeGottnichtverehrt“

Um  das  Unheil,  welches  die  Jünger  Loyolas  über  die
Länder  und  Völker  gebracht  hatten,  in  denen  sie  am  wirksamsten
zur  Herrschaft  gelangt  waren,  aufzudecken,  brauchte  Ed.  Windthorst
  nur  auf  das  Schicksal  von  Portugal  und  Spanien,  von  Polen
und  Böhmen,  auf  die  Bartholomäusnacht  und  die  Austreibung
der  Hugenotten  in  Frankreich,  endlich  auf  den  30  jährigen  Krieg
in  Deutschland  hinzuweisen.

Den  vernichtendsten  Schlag  führte  schließlich  E.  Windthorst,
indemner  die  Anklage  erhob,  daß  der  Jesuitenorden  durch  seineWirksamkeit
  die  Sittlichkeit  des  Volkes  zu  untergraben  droht,  indem
er  teils  direkt  gegen  die  sittlichen  Anschauungen  unserer  Zeit
gerichtete  Lehren  verkündigt,  teils  in  mißbräuchlicher  Ausbeutung
  der  heiligsten  Gefühle  unseres  Volkes  den  Aberglauben
fördert  und  zur  Schein-  und  Werktätigkeit  führt.  Um  den  Beweis