Full text : Dr. J. Milbiller's kurzgefasste Geschichte des Königreichs Bayern.

—  195  —

S.  18.

Obgleich  aber  alle  diese  betrübenden  Umstände  in  Bayern,
wie  in  andern  deutschen  Landen  obwalteten,  so  hielt  sich  doch  der
Kational-Credit  aufrecht;  und  indem  der  Ausdauer,  der  Treue
und  Bereitwilligkeit  des  Volkes  die  Thätigkeit,  Einsicht  und  Willfährigkeit
  der  Regierung  begegnete,  so  wurden  die  drückenden  Verhältnisse
  nur  als  Lasten  der  Zeitumstände  angesehen,  und  geduldig
ertragen.  Wenn  daher  in  jenen  und  den  folgenden  Jahren  anderswo
  die  Unzufriedenbeit  über  getäuschte  Erwartungen,  der  Drang
nach  Verbesserung  in  der  Staats-Verwaltung,  und  der,  an  sich
lobenswertbe  Geist  der  Reform,  in  unziemenden,  ja  verbrecherischen
Worten  und  Handlungen  sich  äußerte,  so  ertrug  das  baperische
Volk  beharrlich,  was  nicht  zu  ändern  war,  erwartete  die  Erleichterung
  der  Lasten  von  der  Zeit,  und  stellte  jegliche  Verbesserung
der  Staatsformen  der  weisen  Fürsorge  dessen  anheim,  von  dem
es  in  so  vielen  schwierigen  Lagen  Beweise  des  väterlichen  Wohlwollens
  erhalten  hatte.

5.  10.

In  der  That  war  es  auch  Fortschritt  zum  Bessern,  daß  in
der  Staats-Verwaltung  der  bisher  bureaukratische  Charakter
in  den  collegialen  sich  verwandelte,  und  an  die  Stelle  der
in  jedem  Grade  und  Fache  nach  Gutdünken  Eine#  Mannes  bestehenden
  Dienstführung  ein  auf  dem  Beiratbe  und  der  Beistimmung
  Mehrerer  berubender  Geschäftsgang  trat.  Der  König  selbst
umgab  sich  mit  einem  Staatsrathe,  nach  dessen  Vernehmung  er
fortan,  bis  zur  Befestigung  des  Ganzen,  zu  regieren  beschloß.  Jedem
  Minister  wurde,  außer  einem  General-Director  (zur  Contro-=le),
  noch  ein  Collegium  von  Ministerialrätben  (zum  Beirath)  zugegeben.
  Jeder  Kreis  erhielt  eine  eigne  Regierung,  in  zwei
Collegien  (Kammern)  des  Innern  und  der  Finanzen,  unter  der.
Leitung  von  zwei  Direktoren  und  einem  Präsidenten.  Unter  diesen
  zeitgemäßen  Formen  dußerte  sich  bald  ein  eben  so  krästiger
als  milder  Geist.  Die  Regierung,  welche  bisher,  bei  dem  gebieterischen
  Drange  der  Umstände  manche  untergeordnete  Interessen  des
Volks  umgehen  mußte,  um  das  Höchste,  die  Selbsiständigkeit  zu
erreichen,  konnte  sich  mit  den  Bedürfnissen  der  Unterthanen  ver-153