Metadata : Geschichte des deutsch-französischen Krieges 1870 und 1871.

Umgehung  von  Metz.  65

setzen,  sondern  die  Festung  Metz  mit  einer  starken  Besatzung  zu  ver—
sehen  und  sich  selbst  zu  überlassen,  das  Gros  der  französischen  Streit—
kräfte  aber  zur  Maas  zurückgehen  zu  lassen,  dort  alle  verfügbaren
Streitkräfte,  auch  das  Korps  Douai  und  die  Reste  des  Mac  Mahon'=schen
  Korps  zusammen  zu  ziehen  und  nun  dem  Feinde  die  Spitze
zu  bieten.

Dieser  Plan  war  ohne  Frage  zweckmäßig  angelegt,  er  fand  den
Beifall  des  Oberkommandos,  und  Marschall  Bazaine  schickte  sich  an,
ihn  zur  Ausführung  zu  bringen.

Doch  im  französischen  Lager  hatte  man  nicht  daran  gedacht,  daß
man  sich  gegenüber  die  schlagfertigste  Armee  der  Welt  hatte,  geführt
von  dem  größten  Strategen  seiner  Zeit,  dem  großen  Moltke.  Der
Chef  des  preußischen  Generalstabes,  der  seine  Truppen  längst  bis  auf
den  letzten  Mann  an  die  Mosel  vorgeschoben  hatte,  faßte  den  kühnen
Plan,  Metz  mit  den  preußischen  Heersäulen  zu  umgehen,  die  große
französische  Armee  von  ihrer  Rückzugslinie  abzudrängen  und  in  die
Festung  zurückzuwerfen,  wo  sie  dann  die  Wahl  hatte,  sich  schimpflich
zu  ergeben,  oder  bis  zur  Kapitulazion  sich  einsperren  zu  lassen  und
zuzuschauen,  wie  die  deutschen  Heere  Frankreich  eroberten.  Dieser
Plan  war  so  genial,  als  hätte  der  alte  Fritz  ihn  selber  entworfen,
und  in  rasche  That  umzusetzen,  was  Moltke  so  fein  ersonnen,  dazu
war  keiner  mehr  geeignet,  als  Prinz  Friedrich  Karl,  der  kühne
Reitersmann,  der  Anführer  der  zweiten  Armee.

Denn  die  Aufgabe,  welche  gelöst  werden  sollte,  war  ganz  gewiß
keine  leichte.  Nicht  allein  stand  es  zu  erwarten,  daß  die  Franzosen
mit  allen  ihnen  zu  Gebote  stehenden  Mitteln  versuchen  würden,  den
Durchbruch  zu  erzwingen  und  der  Kampf  daher  ein  heißer  und  blutiger
  werden  würde,  es  galt  auch,  an  die  Körperkraft  der  Truppen
die  höchsten  Anforderungen  zu  stellen,  damit  schlagfertige  Heeresmassen
früh  genug  an  Ort  und  Stelle  waren,  um  mit  Erfolg  den  kaiserlichen
Adlern  von  Frankreich  Halt  zu  gebieten.

Theils  um  die  Kraft  der  abziehenden  Armee  noch  mehr  zu
brechen,  als  das  durch  die  bisher  erkämpfteu  Siege  bereits  geschehen
war,  theils  um  dem  Prinzen  Friedrich  Karl  Zeit  zu  verschaffen,  um
seine  Stellung  zu  erreichen,  erhielt  General  Steinmetz  am  14.  August

Sonnenburg,  Geschichte  des  Krieges  von  1870.  71.  5