Umgehung von Metz. 65
setzen, sondern die Festung Metz mit einer starken Besatzung zu ver—
sehen und sich selbst zu überlassen, das Gros der französischen Streit—
kräfte aber zur Maas zurückgehen zu lassen, dort alle verfügbaren
Streitkräfte, auch das Korps Douai und die Reste des Mac Mahon'=schen
Korps zusammen zu ziehen und nun dem Feinde die Spitze
zu bieten.
Dieser Plan war ohne Frage zweckmäßig angelegt, er fand den
Beifall des Oberkommandos, und Marschall Bazaine schickte sich an,
ihn zur Ausführung zu bringen.
Doch im französischen Lager hatte man nicht daran gedacht, daß
man sich gegenüber die schlagfertigste Armee der Welt hatte, geführt
von dem größten Strategen seiner Zeit, dem großen Moltke. Der
Chef des preußischen Generalstabes, der seine Truppen längst bis auf
den letzten Mann an die Mosel vorgeschoben hatte, faßte den kühnen
Plan, Metz mit den preußischen Heersäulen zu umgehen, die große
französische Armee von ihrer Rückzugslinie abzudrängen und in die
Festung zurückzuwerfen, wo sie dann die Wahl hatte, sich schimpflich
zu ergeben, oder bis zur Kapitulazion sich einsperren zu lassen und
zuzuschauen, wie die deutschen Heere Frankreich eroberten. Dieser
Plan war so genial, als hätte der alte Fritz ihn selber entworfen,
und in rasche That umzusetzen, was Moltke so fein ersonnen, dazu
war keiner mehr geeignet, als Prinz Friedrich Karl, der kühne
Reitersmann, der Anführer der zweiten Armee.
Denn die Aufgabe, welche gelöst werden sollte, war ganz gewiß
keine leichte. Nicht allein stand es zu erwarten, daß die Franzosen
mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln versuchen würden, den
Durchbruch zu erzwingen und der Kampf daher ein heißer und blutiger
werden würde, es galt auch, an die Körperkraft der Truppen
die höchsten Anforderungen zu stellen, damit schlagfertige Heeresmassen
früh genug an Ort und Stelle waren, um mit Erfolg den kaiserlichen
Adlern von Frankreich Halt zu gebieten.
Theils um die Kraft der abziehenden Armee noch mehr zu
brechen, als das durch die bisher erkämpfteu Siege bereits geschehen
war, theils um dem Prinzen Friedrich Karl Zeit zu verschaffen, um
seine Stellung zu erreichen, erhielt General Steinmetz am 14. August
Sonnenburg, Geschichte des Krieges von 1870. 71. 5