Full text : Sächsisches Realienbuch enthaltend Geschichte, Erdkunde, Naturgeschichte, Physik, Chemie und Mineralogie.

—  115  —  In

solchen  überall:  in  hohlen  Bäumen,  in  Mäuse=  oder  Rattenlöchern,  unter  einem
Steinhaufen  usw.

2.  Das  Kleid  des  Wiesels  ist  hellbraun,  unter  dem  Bauche  aber  weiß.  Im
Norden  bekommt  es  im  Winter  ein  weißbraun  geflecktes  Winterkleid.  (Schutzkleid!))

3.  Seine  Räubereien.  So  klein  auch  das  Wiesel  ist,  so  ist  es  doch  ein  ganz
derwegener  Räuber.  Sein  Körper  ist  wie  geschaffen  dazu.  Das  zeigt  sich  besonders
  in  den  spitzen  Krallen  und  dem  scharfen  Gebisse.  Dazu  kommt  noch  der
geschmeidige,  fast  schlangenartige  Körper,  mit  dem  es  geschickt  durch  allerlei  Löcher
und  Ritzen  kriechen  kann.  Damit  paaren  sich  Feinheit  der  Sinne,  geistige  Frische
und  rascher  Entschluß.  Gern  frißt  es  Insekten,  besonders  aber  Mäuse  und  Ratten.
Hat  es  ein  Rattenloch  aufgespürt,  so  schlüpft  es  ohne  weiteres  hinein.  Die  Ratte
flieht,  wenn  irgend  möglich,  ins  Wasser,  das  Wiesel  hinterdrein.  Mit  Blitzesschnelle
  schwimmen  beide  dahin.  Aber  das  Wiesel  holt  die  Ratte  bald  ein.  Nun
gibt's  einen  Kampf  auf  Leben  und  Tod.  Die  Ratte  wehrt  sich  aus  Leibeskräften.
  Aber  das  Wiesel  bleibt  Sieger.  Es  zerbeißt  der  Ratte  den  Hals  und
trägt  sie  dann  ans  Land.  Leider  fängt  das  Wiesel  oft  auch  kleine  Singvögel  weg;
denn  es  ist  ein  geschickter  Kletterer.  Findet  es  ein  Ei,  so  säuft  es  dasselbe  entweder
  gleich  aus  oder  nimmt  es  zwischen  die  Zähne  und  trägt  es  in  sein  Versteck.
  So  klein  das  Tier  ist,  so  groß  ist  sein  Mut.  Einst  hatte  ein  Raubvogel
ein  Wiesel  gepackt  und  in  die  Lüfte  mitgenommen.  Oben  in  der  Luft  aber  biß
das  Wiesel  dem  Vogel  die  Schlagader  am  Halse  durch.  Der  Vogel  schwankte  und
siel  mit  dem  Wiesel  zur  Erde.  Hier  starb  er;  das  Wiesel  aber  huschte  lustig  davon.

12%  Das  ESichbörnchen.

1.  Körperbau,  dem  Leben  auf  den  Bäumen  angepaßt.  Das  Eichhörnchen
lebt  im  Walde  auf  den  Bäumen.  Dort  findet  es  nämlich  seine  Nahrung:  Nüsse,
Eicheln,  Kiefernsamen  u.  dgl.  Zum  Baumleben  ist  sein  Körper  aufs  zweckmäßigste
  eingerichtet.  Der  Leib  ist  äußerst  schlank  und  geschmeidig.  Die  Vorderfüße
  haben  je  vier  scharfbekrallte  Zehen  und  einen  kurzen,  nagelbedeckten  Daumenstummel.
  Sie  dienen  dem  Eichhörnchen  beim  Pflücken  der  Baumfrüchte  als
Hände  und  verleihen  ihm  vorzugsweise  die  Geschicklichkeit  zum  Klettern.  Wie  der
Sturmwind  geht's  den  schlanken  Tannenbaum  hinauf,  bald  kerzengerade,  bald  in
Schraubenwindungen.  Man  meint,  das  Tier  gleite  wie  eine  Schlange  an  dem
Baume  empor,  und  doch  merkt  man  das  Einschlagen  der  langen,  spitzen  Krallen;
denn  man  vernimmt  ein  deutliches  Rasseln.  Die  fünfzehigen,  ebenfalls  scharfkralligen
  Hinterbeine  sind  länger  als  die  Vorderbeine.  Es  sind  Springbeine.
(S.  85.)  Zuweilen  macht  das  Tier  3—4  m  weite  Sprünge,  und  nicht  selten  rettet
es  sich  dadurch  vor  seinen  Feinden.

2.  Feinde.  Der  grimmigste  Feind  des  Eichhörnchens  ist  der  Baummarder.
(S.  113.)  Er  übertrifft  das  Eichhörnchen  noch  im  Klettern.  Sobald  das  Eichhörnchen
  ihn  erblickt,  sucht  es  ihm  in  blitzschnellen  Windungen  um  den  Baum
herum  zu  entfliehen.  Hinter  ihm  her  stürzt  der  Marder.  Auf  und  nieder,  kreuz
und  quer  geht  die  furchtbare  Jagd.  In  3—4  m  weiten  Sprüngen  schießt  das
Eichhörnchen  durch  die  Luft;  ihm  nach  der  Baummarder.  Schon  scheint  er
seiner  Beute  gewiß  zu  sein.  Da  greift  das  gehetzte  Eichhörnchen  zum  letzten

&„