Full text : Lehrbuch der bayerischen Geschichte.

162  Brandenburg  und  die  Niederlausitz  unter  Otto  V.

andere  Tochter  des  Kaisers,  Katharina,  zur  Frau,  die  zuvor
an  den  österreichischen  Herzog  Rudolf  II  verheirathet  und  seit
17.  Juli  1365  Wittwe  war.  Nicht  volle  zwei  Monate  nach  der
Vermählung  Otto's  V  starb  Ludwig  VI  der  Römer  (14.  Mai
1366)  kinderlos,  und  des  Kaisers  Eidam,  Otto  V,  hatte  nun
Brandenburg  und  die  Niederlausitz  allein  zu  verwalten.

&  69.  Otto  V  (1366—1373)  kümmerte  sich  wenig  um
die  Regierung  und  zog  sich  durch  seine  lockere  Lebensweise  viele
Unruhen  und  Verdrießlichkeiten  zu.  Um  Geld  zur  Befriedigung
seiner  Vergnügungssucht  zu  erhalten,  verpfändete  er  sogar  seine
ordentlichen  Landesgefälle  und  verkaufte  das  Münzrecht,  wodurch
er  allgemeine  Unzufriedenheit  erregte.  In  dem  Kriege,  der  1370
mit  Pommern  ausbrach,  ermannte  er  sich,  gerieth  aber  in  eine
bedenkliche  Lage,  weil  ihn  sein  Schwiegervater,  der  Kaiser  KarllIV,
ganz  ohne  Hülfe  ließ.  So  zur  Einsicht  geführt,  daß  er  von  dem
Hause  Luxemburg  nichts  Gutes  zu  erwarten  habe,  vertraute  er
sich  seinem  Bruder  Stephan  II  an,  der  sogleich  seinen  Sohn
Friedrich  (1371)  nach  Brandenburg  schickte.  Kaum  war  dieser
in  Brandenburg  angekommen,  so  stieß  Otto  V  die  Erbverbrüderung
  mit  Kaiser  Karl  um  und  setzte,  da  er  von  seiner  Gemahlin
  Katharina,  die  von  ihm  getrennt  (zu  Prag)  lebte,
keine  Leibeserben  zu  erwarten  hatte,  seine  Brüder  und  seine  Neffen
als  Nachfolger  in  der  Mark  ein.  Friedrich  half  jetzt  seinem
Oheim  die  Pommern  besiegen  und  kehrte  gegen  das  Ende
des  Jahres  1371  nach  Bayern  zurück.  Im  Mai  1373  ging
Friedrich  abermals  nach  Brandenburg  und  brachte  dem  von
allen  Geldmitteln  entblößten  Otto  V  200,000  Gulden,  wofür
ihn  dieser  die  Altmark  und  Priegnitz  verpfändete  und  durchsetzte,
daß  dem  Prinzen  Friedrich  und  seinen  Erben  in  der  Mark  gehuldigt
  wurde.

So  bald  der  Kaiser  hievon  Nachricht  erhielt,  besetzte  er  die
Mark  mit  überlegener  Macht,  so  daß  Otto  V  und  sein  Neffe
Friedrich  gezwungen  waren,  die  Niederlau  sitz  und  Brandenburg
  mit  Vorbehalt  der  Kurwürde  an  des  Kaisers  Söhne
Wenzel,  Sigmund  und  Johann  (17.  und  18.  August  1373)
abzutreten.  Dagegen  übergab  der  Kaiser  die  meisten  seiner  in