Full text : Lehrbuch der bayerischen Geschichte.

Bayern  unter  Heinrich  IX,  dem  Schwarzen.  73

im  Jahre  1106  verstorbenen  Herzogs  Magnus  von  Sachsen,  des
Letzten  aus  dem  Billung'schen  Hause,  vermählt  und  unterstützte
nach  dem  Ableben  des  Kaisers  Heinrich  V  (K  1125)  die
Erhebung  des  Herzogs  Lothar  von  Sachsen  zum  deutschen
Könige  (1125.—  1137).  Aber  dadurch  erregte  er  sowohl  bei
den  zwei  Söhnen  Friedrichs  des  Staufers,  dem  Herzog  Friedrich
von  Schwaben  und  dem  Herzog  Konrad  von  Ostfranken,
als  auch  bei  Leopold  IV  von  Oesterreich,  dem  Heiligen,
Anstoß,  weil  alle  drei  ein  näheres  Recht  auf  die  deutsche  Krone
zu  haben  glaubten,  die  ersten  zwei  als  Söhne,  der  letzte  als
Gatte  der  salischen  Kaiserstochter  Agnes.

Um  einem  von  Seite  der  hohenstaufischen  Brüder  zu  befürchtenden
  Gewaltstreich  mit  Nachdruck  begegnen  zu  können,
trat  König  Lothar  II  mit  dem  Herzoge  Heinrich  IX  in  eine
engere  Verbindung,  die  dadurch  besiegelt  wurde,  daß  zu  Pfingsten
des  Jahres  1126  des  Herzogs  zweitgeborner  Sohn  Heinrich
(der  erstgeborne  Sohn  Konrad  war  am  17.  März  1126  auf  der
Rückkehr  von  Jerusalem  zu  Bari  gestorben)  sich  mit  Lothars
Erbtochter  Gertrude  verlobte  und  die  Anwartschaft  auf  das
Herzogthum  Sachsen  und  auf  sämmtliche  Stammlande  Leothars
  )  erhielt.  Vergebens  bemühte  sch  Herzog  Heinrich  IKX,
den  älteren  der  hohenstaufischen  Brüder,  den  Herzog  Friedrich
von  Schwaben,  dem  er  seine  Tochter  Judith  zur  Ehe  gegeben,
ob  dieser  Vorgänge  zu  beruhigen:  es  entbrannte  zwischen  den
beiden  bisher  befreundeten  Häusern  der  Hohenstaufen  und
Welfen  jener  glühende  Haß,  der  Europa  Jahrhunderte  lang
in  Verwirrung  gesetzt  hat.

Im  Unmuthe  über  dieses  Zerwürfniß  in  der  eigenen  Verwandtschaft
  und  empört  über  die  fortwährende  Fehdesucht  des
bayerischen  Adels  legte  Heinrich  IX  die  Regierung  Bayerns  im
Jahre  1126  nieder  und  starb  noch  in  demselben  Jahre  auf  seiner
Stammburg  Ravensburg,  nachdem  er  mittelalterlicher  Sitte
gemäß  in  den  letzten  Augenblicken  seines  Lebens  sich  als  Mönch

*)  Die  Stammlande  Lothars  waren  Braunschweig,  Lüneburg,
Göttingen  und  alle  Besitzungen  des  Grafen  Otto  von  Nordheim,
ehemaligen  Herzogs  von  Bayern,  dessen  Erbtochter  Richen  za  Lothar  geheirathet
  hatte.