Full text : Sachsen-Chronik Erste Serie. (1)

Motto:  Die  Wahrheit  harret  mit  gerechter  Waage
Im  Morgen-Nebel  spaͤt'rer  Enkelzeit,
Verweht  die  Spren  gedung'’ner  Gleichzeit-Sage,
Zeigt,  wie  sie  war,  uns  die  Vergangenbeit;
Den  Enkel  schreckt  auch  nicht  der  Vorzeit  Rache,
Spricht  schonend  zwar:  „Laßt  nur  die  Todten  ruhn'’!“
Doch  ihre  Thaten  bringt  er  frei  zur  Sprache,
Erwägt  ihr  Wollen,  richtet  ernst  ihr  Thun.  —
Was  oft  die  Mitwelt  ängstlich  sich  verbarg.
Hob  schonungslos  die  Nachwelt  aus  dem  Sarg.  —

Aus  Staub  und  Moder  steigen  knöcherne  Gestalten.
Zum  ewig  neuen  Weltgericht  empor,
Aus  Actenhaufen  und  aus  Knochenhalten
Reiht  sich  ein  geisterhafter  Zeugen-Chor.  —
Der  Fürst  tritt  mit  dem  Unterthan  vor  eine  Schranke,
Die  gleichgerecht  die  Nachwelt  auferbaut,
Frei  richtet  hier  das  Herz  und  der  Gedanke
An  einen  Richter,  der's  Verborg'ne  schaut;
DO'rum,  ewig  wahr  bleibt's,  was  der  Dichter  spricht:
„  Die  Weltgeschichte  ist  das  Weltgericht!“