Bemerkungen über die Ungarn Schlacht
bei Merseburg im Jahre 9334).
Ad nos vix tennis samae perlabilur aura.
Virg. Aen. VII. 645.
— . J—
Es giebt wenige Begebenheiten in der teutschen Geschichte,
über welche so verschiedenartige Meinungen ausgesprochen wurden
und welche so vielfältig Gegenstand, sowohl der gründlichsten Forschung,
als auch der unbesonnenen Fabelei, ja sogar absichtlicher
Quellenverfälschung gewesen wären, als der von Heinrich I. über
die Ungarn erfochtene Sieg.
In neuester Zeit hat der Dr. Waitz in der ersten Abtheilung
des ersten Bandes der Rankenschen Jahrbücher des teutschen Reichs
unter dem sächsischen Hause (Berlin 1837) Alles, was die Geschichtsforschung
sowohl zur Aufhellung der Sache, als auch zur
Entfernung irrthümlicher Ansichten geleistet hat, vollständig zusammengestellt,
doch zuletzt dahin sich ausgesprochen, daß eine Entscheidung
über die Lage des Schlachtfeldes ihm nicht
wohl möglich scheine. Indessen mag doch hier ein neuer Versuch
gewagt werden.
Die unbestrittenen Quellen für das Ereigniß sind außer zerstreuten
kleineren Aufzeichnungen nur drei: Liudprand, Widukind
und Flodoard. Die apogryphen Nachrichten der Falk'schen
1) Der Herausgeber nimmt nicht Anstand, diesen gründlichen, mit vieler
Vorliebe bearbeiteten Aufsatz dem Leser zu bieten, da er bei wirklicher Beleuchtung
der alten Quellen uns sehr klar in die Verhältnisse jener Zeit
einweiht. Unter Benutzung aller Chronisten, die dieses Ereigniß der ältesten
vaterländischen Geschichte erwähnen, hat der Verfasser Alles gethan, was
nur geschehen konnte; er hat alle Momente auf dem Prüfsteine der Geschichte
und der älteren Geographie mit Ruhe geprobt. — Etwaige Berichtigungen,
Ansichten und Entgegnungen würden gern entgegengenommen und ebenfalls
mitgetheilt werden. — Da übrigens diese Schrift besonders auch dazu dienen
soll, noch unerörterte Facten der Geschichte immer mehr aufzuklären und
durch mitgetheilte Versuche zugleich das weitere Forschen zu wecken, so konnte
aus der frühesten Geschichte Sachsens Nichts wichtigeres gleich zum Anfange
geboten werden. -
Sachsen-Chronik f. Verg. u. Geg. I. 1.