Metadata : Unser Kaiser.

16  Unser  Kaiser.

volle  Landschaftsbild  war  durch  die  aufgegangene  Sonne
mit  zauberhaften  Farben  übergossen.

Nicht  nur  ganz  Bethlehem  hatte  sich  aufgemacht,  den
Kaiserzug  zu  sehen,  sondern  weit  von  Hebron  und  aus  der
Wüste  hatten  sich  die  Beduinen  zu  Tausenden  eingefunden.
Alle  Dächer  und  Mauern  waren  mit  Menschen  dicht  besetzt,
bald  in  den  farbenprächtigen  Trachten  Bethlehems,  bald  im
schlichten  Fellachenhemd  oder  in  dem  malerischen  Aufzug  der
Wüstenbewohner.  Jubelnde  Rufe  der  Männer,  frohlockende
Triller  der  Frauen  ertönten,  als  die  Majestäten  nahten.  Vier
Beduinen,  die  sich  das  Ehrengeleite  ausgebeten  hatten,  die
farbigen  Keffijen  auf  dem  Kopf,  lange  büschelgeschmückte
Lanzen  in  den  Händen,  eröffneten  den  Zug.  Das  Kaeiserpaar
  war  zu  Pferde.  Beide  trugen  die  weißseidenen  Staubmäntel
  und  die  buntfarbigen  seidenen  Keffijen  (Kopftücher
über  dem  Tropenhut),  und  auch  das  ganze  Gefolge  kam  in
weißen  Mänteln,  fast  wie  einst  zur  Zeit  der  Kreuzzüge  die
Tempelherrenritter.  Unbeschreibliche  Begeisterung  ergriff  die
Menge  beim  Anblick  des  Kaisers.  Mit  ausgestreckten  Armen
riefen  sie  ihm  ihre  Begrüßung  zu.  Aber  dem  keiserlichen
Gefolge,  den  langen  Hünengestalten  der  Generale,  gingen
sie  fast  schen  aus  dem  Wege,  als  ob  diese  Löwen,  wenn  man
ihnen  zu  nahe  käme,  alles  burz  und  blein  schlagen  könnten.

Sofort  ging  das  Kaiserpaar  in  die  Kirche.  Bewegt  trat
auch  ich  ein  in  die  kühlen  Hallen  des  Gotteshauses,  dessen
Bau  ich  selbst  einst  ermöglicht  und  begonnen  hatte.  Ich  nahm
meinen  Platz  im  Altarraum  ein,  gerade  gegenüber  den  Sesseln
des  Kaisers  und  der  Kaiserin.  Tiefer  Ernst  lag  auf  dem
Angesichte  des  Kaisers,  während  er  der  Predigt  lauschte,  deren