Full text : Deutschlands Schuld am Weltkriege.

„Ein  Zustand  noch  ausgesprocheneren  Unbehagens,  eine  noch  verworrenere
  allgemeine  politische  Lage,  das  ist  die  deutlichste  Folge  der
Entente  zwischen  Frankreich  und  Rußland.“

Baron  Beyens.  Paris,  7.  Oktober  1893  (Fehlspruch,  S.  78)

„Gibt  es  einen  einzigen  Franzosen,  der  nicht  die  Revanche  ersehnt?
Die  einen,  die  Besessenen,  wollen  sie  sofort.  Das  sind  die  weniger  zahlreichen.
  Es  ist  übrigens  viel  theatralische  Aufmachung  und  Sorge,  sich
ein  Piedestal  zu  schaffen,  in  der  Bekundung  ihres  Patriotismus.  Die
anderen,  die  Verständigen,  planen  die  Revanche  für  später,  wenn  die
Umstände  günstig  sind.  Dieses  Gefühl  wird  noch  mehr  durch  die  Demütigung
  der  Niederlage  an  sich  als  durch  das  Bedauern  über  die  verlorenen
  Provinzen  wachgehalten.  Es  hat  seinen  Ausdruck  gefunden  in
dem  Delirium  der  Aufnahme,  die  man  den  russischen  Seeleuten  (russischer
Flottenbesuch  in  Toulon)  bereitet  hat,  und  die  sich  weder  durch  Sympathie
für  die  russischen  Zustände,  noch  durch  gemeinsame  Traditionen  erklären
  lassen.  Es  gibt  nichts  Gemeinsames  als  den  Haß  gegen  Deutschland,
  dem  man  es  nicht  verzeihen  kann,  daß  es  die  Vormacht  der  Welt
wurde,  wie  Frankreich  es  gewesen  ist,  und  wie  Rußland  es  zu  werden
träumt.  Im  Munde  des  Pariser  Volkes  hat  der  Ruf  ‚Hoch  Rußland'
dieselbe  Bedeutung,  wie  sie  der  Ruf  ‚Nach  Berlin‘  1870  besaß.  Das  französische
  Volk  hat  die  Hoffnung,  daß  der  Zar  freiwillig  oder  gezwungen
ihm  eines  Tages  helfen  wird,  seine  verlorene  Stellung  wiedereinzunehmen.
Der  Besuch  von  Toulon  hat  also  die  Sicherheit  Europas  vermindert,
indem  er  das  Selbstvertrauen  des  französischen  Volkes  vermehrte.

Baron  Greindl.  Berlin,  25.  Oktober  1893  („Fehlspruch“,  S.  78/79)

1901

„Alles  beweist,  daß  der  Kaiser,  dessen  Hauptsorge  die  Erhaltung
des  europäischen  Friedens  ist,  sich  nach  wie  vor  bestreben  wird,  Reibungen
zu  vermeiden  und  mit  Frankreich  so  gute  Beziehungen  aufrechtzuerhalten,
wie  die  Lage  sie  ermöglicht.“  Zirkular  der  belgischen  Regierung.

Brüssel,  12.  Januar  1901  („Fehlspruch‘“,  S.  93)

„Das  (Deutsche)  Reich  hat  bereits  zuviel  nichtdeutsche  Untertanen,
und  das  ist  für  Deutschland  ein  Grund  der  Schwäche.  —  Deutschland  bedarf
  eines  starken  mit  Ungarn  verbündeten  Österreichs  als  Gegengewicht
gegen  Rußland.“  Zirkular  der  belgischen  Regierung.

Brüssel,  12.  Januar  1901  („Fehlspruch‘‘,  S.  93)

„Die  Engländer  sehen  in  den  Deutschen  gefährliche  Konkurrenten
auf  dem  Gebiete  des  Handels  und  der  Industrie,  und  sie  zeigen  sich  eifersüchtig
  auf  die  unaufhörlichen  Fortschritte,  die  diese  ebenso  in  England
wie  auf  den  neutralen  Märkten  machen.“

Baron  Solvyns.  London,  22.  Februar  1901  („Fehlspruch“,  S.  94)

10