Full text : Also sprach Bismarck. Band II. 1870 - 1888. (2)

—  439  —

Bismarcks  im  Dienste,  solange  ein  preußischer  König  ihn  behalten
  will,  Beschwerlichkeit  von  Bismarcks  Stellung,  die  Vergänglichkeit
  seines  Werkes,  die  Professorenweisheit.“)

Berlin,  11.  März  1837.

Unterredung  mit  von  Lessenps,  betreffend  das  Verhältnis
  zwischen  Deutschland  und  Frankreich.“

Bismarck:  „Ich  bin  glücklich,  Sie  zu  sehen,  da  die  große
Wolke  sich  jetzt  zerteilt  hat.  Niemand  wünscht  den  Frieden  mehr
als  ich.  Und  man  kann  glauben  machen  wollen,  daß  ich  der
Mann  des  Krieges  sei!  Einen  Augenblick  lang  glaubte  ich
allerdings,  es  würde  schlimm  gehen,  und  ich  würde  zu  den  Waffen
  greifen  und  mit  den  Meinen  den  Weg  nach  der  Grenze  einschlagen
  müssen.  Denn  sehen  Sie,  so  sehr  ich  mit  Frankreich
in  Frieden  leben  möchte,  so  sehr  würde  ich  mich  für  den  Krieg.
ereifern,  wenn  Frankreich  uns  angriffe  oder  bedrohte.  Und
dieser  Haltung  schreibe  ich  meine  Volkstümlichkeit  in  Deutschland
zu.  Ich  habe  diese  Haltung  immer  gehabt.  Nicht  ich  habe
Elsaß-Lothringen  verlangt.““?)  Die  Militärs  waren  es,  die

*)  Moritz  Busch.  Tagebuchblätter.  Bd.  III.,  S.  211—218.
Die  „Post“  Nr.  53  vom  Jahre  1887  berichtet  Aeußerungen
Bismarcks  bei  der  Wahl  zum  Reichstag  am  21.  Februar  1887
im  Wahllokal  Leipziger  Straße  132.  Bismarck  überreichte  dem
Vorsteher  des  Bureaus  den  Stimmzettel  und  blieb  dann  noch
einige  Minuten  stehen.  „Sie  haben  heute  einen  schlimmen  Tag,
von  10  Uhr  morgens  bis  abends  6  Uhr,  also  8  Stunden.“
Dann  erkundigte  er  sich  noch  über  die  Wahlbeteiligung  und
über  kleinere  Einzelheiten  und  verließ  hierauf  wieder  das  Wahllokal.


")  Nach  den  Reiseberichten  von  Lesseps  (siehe  die  „Vossische
Zeitung“  Nr.  128  vom  17.  März  1887  und  nach  dem  deutschen
Geschichtskalender  f.  1887,  I.,  S.  383  f.).

*)  Daß  Bismarck  sich  in  dieser  Weise  den  Franzosen  gegenüber
  aussprach,  ist  nicht  ausgeschlossen,  wiewohl  wir  wissen,  daß