Full text : Europäischer Geschichtskalender. Fünfter Jahrgang. 1864. (5)

336  Bellage  I.

Hannover  4.  Februar  1864.  „Graf  Platen  sagt,  daß,  wenn  die  Dänen
sich  selbst  überlassen  werden,  sie  bald  aus  Schleswig  würden  vertrieben  sein;  daß
Oesterreich  und  Preußen  dann  bereit  sein  werden,  in  die  Conferenz  zu  gehen,  und
daß  ein  Arrangement  auf  der  Vasis  der  Integrität  der  dänischen  Monarchie  mit
Personalunion  zwischen  Dänemark  auf  der  einen  Seite,  und  Holstein  und  Schleswig,
oder  vielmehr  dem  südlichen  Theil  des  letztern  Herzogthums,  auf  der  andern  Seite
seiner  Meinung  nach  erreicht  werden  könnte;  daß  aber,  wenn  Großbrittanien  oder
irgend  eine  andere  Macht  den  Dänen  Beistand  bringe,  der  Krieg  unfehlbar  erweitert
werden  würde,  denn  ganz  Deutschland  würde  die  Waffen  ergreifen  zur  Unterstützung
von  Oesterreich  und  Preußen;  und  er  gab  eine  hohe  Vorstellung  kund  von  der  Macht
des  so  vereinigten  und  England  gegenübergestellten  Deutschlands.  Ich  erwiederte,
daß  ...  die  Invasion  Schleswigs  durch  Oesterreich  und  Preußen.  —  unternommen,
  wie  ich  vermuthete,  mehr  zu  dem  Zweck,  daheim  die  öffentliche
Aufmerksamkeit  zu  fesseln,  und  um  einen  Vorwand  zu  haben  zur
Ansammlung  einer  großen  Mannschaft  in  Waffen  als  aus  irgend
einem  wahrhaften  Interesse  an  den  gekränkten  Rechten  der  Schleswiger
  —  ein  sehr  verfehlter  Angriff  sei  ꝛc.

v  Hannover  6.  Februar  1864.  „  Ich  höre  vom  Grafen  Platen,  daß  die
hannoverische  Regierung  von  der  bayerischen  Negierung  eine  Einladung  empfing  an
diesen  (Minister-)  Conferenzen  theilzunehmen,  aber,  daß  er  es  ablehnte,  unter  der
Begründung:  daß  die  Unternehmungen  Oesterreichs  und  Preußens
durchaus  keinen  Grund  abgäben,  ihre  Absichten  zu  beargwöhnen;
daß  die  vorgeschlagenen  Conferenzen  ohne  Zweifel  von  ihnen  als  ein  feindlicher  Schritt
würden  angesehen  werden  und  in  sich  selbst  unzweckmäßig  wären,  und  daß,  wenn
eine  Verständigung  unter  den  Mittelstaaten  mit  Rücksicht  auf  ihr  zukünftiges  Verhalten
  zu  Schleswig-Holstein  gewünscht  werde,  diese  durch  diplomatische  Correspondenz
herbeigeführt  werden  könnte.  Nachdem  die  Gesichtspunkte  des  Grafen  Platen  der
Regierung  von  Hessen-Kassel  mitgetheilt  worden  sind,  hat  letztere,  wie  ich
durch  eine  andere  Quelle  erfahre,  gleichfalls  die  Einladung  der  bayerischen  Regierung
abgelehnt.“

zsnsen  10.  Februar  1864.  „Graf  Platen  sagte  mir  diesen  Morgen,
daß  ..  die  dänische  Regierung  Embargo  auf  zwei  hannoverische  Schiffe  gelegt
habe.  .  ..  Se.  Exc.  bemerkte  mir,  daß,  wenn  Dänemark  seine  internationalen  Pflichten
  gegen  Hannover  nicht  halte,  es  nicht  erwarten  könne,  daß  Hannover  die  seinigen
gegen  Dänemark  halte,  und  daß  Dänemark  die  Consequenzen  hinnehmen  müsse.  Er
fügte  indeß  hinzu:  daß  es  nicht  seine  Absicht  sei,  gegen  dänische  Schiffe  Repressalien
zu  ergreifen,  obwohl  die  preußische  Regierung  ihn  aufgefordert
habe,  das  zu  thun  (had  invited  him  to  do  so).“

Hannover  11.  Februar  1864.  „  JIch  erinnerte  Se.  Exc.  daran,  daß
er  vor  einiger  Zeit,  als  ich  darauf  drang,  die  von  Hannover  durch  seinen  Beitritt
zum  Londoner  Vertrag  eingegangenen  Verpflichtungen  zu  erfüllen  und  demgemäß
die  Nachfolge  Sr.  Maj.  des  Königs  Christian  IX.  officiell  anzuerkennen,  erklärt  habe,
er  werde  diesen  Verpflichtungen  nachkommen,  indem  er,  wenn  der  geeignete
  Moment  eingetreten  sei,  die  Stimme  Hannovers  am  Bunde  gegen  die  Prätensionen
  des  Prinzen  von  Augustenburg  abgeben  werde.  Ich  sagte,  daß  ich
mit  Beziehung  auf  jene  Erklärung  jetzt  das  Votum  Hannovers  gegen  die  in  dem
Berichte  des  Hrn.  v.  d.  Pfordten  enthaltenen  Anträge  in  Anspruch  nehme.  Graf
Platen  erwiederte,  daß  er  sich  augenblicklich  nicht  dazu  verpflichten  könne,  daß  er
aber  dafür  sorgen  werde,  daß  jeder  Punkt  von  Hrn.  v.  d.  Pfordtens  Bericht  im
Ausschuß  der  Bundesversammlung  wohl  erwogen  werde  .  Oesterreich  und
Preußen  werden  sich,  wie  ich  höre,  alle  Mühe  geben,  eine  Abstimmung  der  Bundesversammlung
  über  die  Erbfolgefrage  so  lang  wie  möglich  zu  verzögern.“

Hannover  13.  Febr.  1864.  „..Ich  fragte  hierauf  Graf  Platen,  was
für  Schritte  er  in  der  Angelegenheit  zu  thun  beabsichtige,  ob  er  deßhalb  an  den  hannover'schen
  Civilcommissär  in  Holstein  zu  schreiben  gedenke  oder  an  den  Commandanten
  der  hannoverschen  Truppen  daselbst,  um  einen  Conflict  mit  Preußen  zu  ver-