Full text : Europäischer Geschichtskalender. Vierzehnter Jahrgang. 1873. (14)

Allgemeine  Chronik.  3

Solothurn,  dem  Bischof  Lachat  die  frühere  Bewilligung  zur  Besitzergreifung
des  bischöfl.  Stuhles  zurückzuziehen  und  spricht  damit  die  Erledigung  des
bischöfl.  Stuhles  aus.  Zugleich  erläßt  sie  eine  Proclamation  an  das  Volk
der  7  Kantone.  Zwei  von  den  7  zur  Diöcese  gehörigen  Kantone,  Luzern
und  Zug,  sind  damit  nicht  einverstanden  und  anerkennen  den  Bischof  nach
wie  vor.

27.  Jan.  [Schweden.]  II.  Kammer:  Debatte  über  die  feierliche  Krönung  des

Königs.  Der  von  der  I.  Kammer  genehmigte  Vorschlag  wird  von  der
II.  Kammer  so  viel  als  verworfen.  Die  sog.  Landmannpartei  ist  entschieden
gegen  den  Vorschlag,  indem  sie  eine  Krönung  als  eine  bloße,  veraltete,
aber  sehr  kostspielige  Ceremonie  anfsieht.  Der  Antrag  gilt  als  virtuell  verworsen-
  der  König  kann  sich  einer  neuen  Discussion  über  die  Frage  nicht
aussetzen.

28.  „  (Oesterreich-Ungarn:  Oesterreich.)]  Herrenhaus:  beendigt  die  Debatte  über

das  Universitätsgesetz,  das  die  österr.  Hochschulen,  zumal  diejenige  von  Wien,
des  letzten  Restes  ihres  bisherigen  specifisch  katholischen  Characters  entkleidet
und  genehmigt  die  Vorlage  mit  allen  gegen  die  Stimmen  der  kirchlichen
Würdenträger.

„  [Rußland.]  Rückkunft  des  Grafen  Schuwaloff  von  seiner  Mission  nach
England.  Ministerconseil.  Es  ist  jenem  gelungen,  die  englische  Regierung
bezüglich  der  Absichten  und  Plane  Rußlands  gegen  Chiwa  zu  beruhigen.
General  Kauffmann  geht  nunmehr  als  designirter  Oberbefehlshaber  gegen
Chiwa  nach  Mittelasien  ab.

29.  „  [England  —  Frankreich.]  Abschluß  eines  neuen  Handelsvertrags  nach

den  Anschauungen  des  Hrn.  Thiers.

„  [Italien.]  In  Rom  werden  durch  kagl.  Decret  wieder  16  große  Klöster
expropriirt,  um  die  umfangreichen  Gebäulichkeiten  derselben  zum  öffentlichen
Nutzen  zu  verwenden.

„  [Oesterreich-Ungarn:  Oesterreich.]  Die  Czechen  Böhmens  setzen  der
Wahlreform  des  Reichsraths  einen  Massen-Petitionssturm  entgegen,  ohne
dieselbe  indeß  mehr  hindern  zu  können.

„  [Frankreich.)]  Der  Staatsrath  hält  gegenüber  der  römischen  Curie  doch
auf  den    Rechten  des  Staats  nach  dem  Concordat  fest  und  zwingt  dieselbe
zum  Nachgeben.

31.   „  [Deutschland:  Preußen.]  Abg.-Haus:  beschließt  in  erster  Linie,  der  Berathung
  der  4  kirchenpolitischen  Gesetze  eine  Verfassungsveränderung  zu  Grunde
zu  legen  und  genehmigt  den  Wortlaut  der  beiden  neuen  Verfassungsartikel
nach  dem  Vorschlage  der  21er  Commission  mit  262  und  255  gegen  117  und
114  Stimmen  (des  clericalen  Centrums,  der  Polen  und  eines  Theils  der
Feudal-Conservativen).

—  „  ([Deutschland:  Preußen.]  Das  Vorgehen  des  orthodoxen  Brandenburger

Consistoriums  gegen  den  freisinnigen  Berliner  Prediger  Sydow  hat  eine  weit
greifende  Agitation  für  und  wider  den  Gemaßregelten  hervorgerufen.

1.  Febr.  [Deutsches  Reich.]  Bundesrath:  Der  Reichskanzler  legt  demselben  einen
Gesetzesentwurf  vor,  nach  welchem  68  Millionen  Thlr.  aus  der  franz.
Kriegentschädigung  zur  zeitgemäßen  Umgestaltung  der  deutschen  Festungen,
ausschließlich  derer  in  Elsaß-Lothringen  (Straßburg  und  Metz),  verwendet
werden  sollen.

2.  „  (Schweiz.]  Der  vom  Papst  einseitig  zum  Bischof  von  Genf  ernannte  Msg.
Mermillod  läßt  sich  in  allen  kath.  Kirchen  des  Kantons  als  solchen  proclamiren
  und  ruft  dadurch  in  Genf  eine  gewaltige  Aufregung  hervor.  Die
Regierung  setzt  sich  mit  dem  Bundesrath  über  die  gegen  eine  solche  Eigenmächtigkeit
  zu  ergreifenden  Maßregeln  in  Verbindung.

3.  „  [Frankreich  —  Belgien.]  Abschluß  eines  neuen  Handelsvertrags  nach
den  Anschauungen  des  Hrn.  Thiers.









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