Allgemeine Chronik. 13
19. April. [Frankreich.] In Nizza regt sich wieder das italienische Nationalgefühl.
Scandal Piccon. Derselbe erregt in Paris sprachloses Erstaunen. Die Franzosen
finden in Nizza ganz unerträglich, was sie im Elsaß für ganz natürlich
und berechtigt halten.
. [Schweiz.] Die neue Bundezverfassung wird in allg. Abstimmung vom
Volke mit 340,199 gegen 198,013 Stimmen angenommen. Die Stimmen
der französijchen Schweiz stehen dießmal auf Seite der Mehrheit; die Minderheit
gehört fast ausschließlich den Bevölkerungen der ehemaligen Sonderbundskantone
an. Diese haben dieselbe auch als Kantone mit 7½ Stimmen
verworfen, während 14½ Kantone sie annehmen; jene haben eine Bevölkerung
von 453,258, die von 2,064,372 Seelen.
9 (Deutsches Reich.] Bundesrath: präcisirt diejenigen Punkte des Preßgesetzes,
bezüglich welcher er gegen die Beschlüsse des Reichstags in der zweiten
Lesung desselben auf seinen Anträgen beharrt, wenn das Gesetz zu Stande
kommen soll.
„ (Deutsches Reich Reichstag: genehmigt auch in dritter Lesung das Reichsmilitärgesetz
nach dem Compromiß Bennigsen mit 214 gegen 123 (worunter
die ganze ultramontane Partei) Stimmen.
[ Oesterreich UngarnJ ] Erföffnung der Delegationen in Osen.
24. Deutsches Reich.] Reichstag: genehmigt das Internirungs= und Verbannungsgesetz
gegen renitente Geistliche mit großer Maiorität. Der bayerische
Bevollmächtigte erklärt energisch, daß das Gesetz den bayer. Reservatrechten
in keiner Weise zu nahe freie; Bayern werde sich durch die Angriffe der
Ultramontanen. nicht abhalten lassen, dem Reiche zu geben, was des Reiches
sei
(Oesterreich-Ungarn: Oesterreich.) Herrenhaus: genehmigt auch das zweite
der confessionellen Gesetze, mit 66 gegen 20 Stimmen, indem es dabei den
Wünschen des Clerus zwar Rechnung trägt, das Princip jedoch nicht alterirt.
25. Deutsches Reich.] Reichstag: genehmigt das Reichspreßgesetz in dritter
Lesung nach den Forderungen des Bundesraths. Für den größten Theil
von, Deutschland bildet dasselbe immerhin einen sehr wesentlichen Fortschritt.
Der Reichstag nimmt auch in dritter Lesung das sog. Internirungs= und
Verbannungsgesetz gegen renitente Geistliche mit 214 gegen 108 Stimmen an.
Schluss der Session d. R. T. . Der Kaiser spricht sich in der Thronrede
sehr befriedigt aus über die Resultate derselben namentlich aber über die
zu Stande gekommene Verständigung bez. des Reichsmilitärgesetzes und über
die getroffene Regelung des Staatspapiergeldes.
27. — I7. Mai. [Pforte: Serbien.) Besuch des Fürsten Milan in Canstantinopel.
Das Resultut ist ein für Serbien sehr unbefriedigendes; der Sultan schlägt
dem Fürsten seine Bitte um Räumung von Klein-Zwornik rund ab. Der
Fürst kehrt sehr verstimmt nach Hause zurück und macht auf dem Heimwege
einen demonstrativen Besuch in Bukarest. Die nationale Partei in Serbien,
welche die Reise von Anfang an nicht gern gesehen hatte, gewinnt durch den
Ausgang derselben an Einfluß gegen den Fürsten und seine Regierung.
28. . [Deutsches Reich — Griechenland.] Die griechische Regierung
schließt mit derjenigen des deutschen Reiches einen Vertrag ab über großartige
Ausgrabungen auf dem Boden des alten Olympia.
„ (Deutschland: Preußen.] Abg. Haus: der Finanzminister Camphausen legt
die glängende Lage der preuß. Hinintn dar: die Staatsrechnung für
1873 hat einen Ueberschuß von mehr als 21 Mill. Thalern ergeben.
29. [Oesterreich-Ungarn: Oesterreich.) Reichsrath: beschließt auch das vierte
und letzte der confessionellen Gesetze, und zwar mit den wesentlichen Amendements,
daß zur Errichtung von Orden und Ansiedlung von Klöstern fortan
ein Reichsgesetz nothwendig sei und daß in die Klöster nur österreichische