Full text : Europäischer Geschichtskalender. Fünfzehnter Jahrgang. 1874. (15)







18.                           Allgemeine  Chronik.

Reichsmilitärgesetzes:  die  von  der  Regierung  geforderte  Friedenspräsenziffer
soll  zugestanden  werden,  aber  vorerst  nur  auf  7  Jahre.

9. April.  [Spanien.]  Serrano  übergibt  den  Oberbefehl  gegen  die  Carlisten  dem
Marschall  Concha  und  kehrt  nach  Madrid  zurück,  ohne  daß  es  ihm  gelungen
wäre,  die  Carlisten  aus  ihren  sesen  Stellungen  bei  Bilbao  zu  verdrängen.

10. .  [Deutsches  Reich.)  Der  Kaiser  gibt  zu  dem  Compromißvorschlage  bez.  des
Militärgesetzes  seine  Zustimmung.  Die  Gefahr  eines  Conflictes  ist  glücklich
beseitigt.  Auch  der  Bundesrath  erklärt  sich  damit  eventuell  einverstanden.

.  [Deutschland:  Bayern.]  Eine  vom  König  eingesetzte  Spezialcommission
erklärt  eine  Anerkennung  des  altkoth.  Bischofs  Reinkens  von  Seite  Bayerns
für  unmöglich,  so  lange  das  Concordat  mit  dem  hl.  Stuhle  zu  Recht  be-[ Iialien.]

  Im  Mantuanischen  erlühnen  sich  mehrere  Gemeinden,  ihre
Pfarrer  trotz  der  bischöslichen  Rechte  selber  zu  wählen.  Der  Bischof  excomnmunicirt
  die  Gewählten  und  die  Regierung  nimmt  sich  der  Gemaßregelten
  bez.  der  Temporalien  nicht  an.

12. „  [Oesterreich-Ungarn:  Oesterreich.]  Der  Papst  ernennt  einen  neuen
Nuntius  nach  Wien  und  befiehlt  ihm  schleunigst  dahin  abzureisen  und  zwar
mit  den  versöhnlichsten  Instructionen.

13. Deutsches  Reich.]  Differenz  zwischen  dem  Reichskanzler  und  dem  gew.
Botschafter  in  Paris,  Grafen  Harry  v.  Arnim:  Graf  Arnim  veröffentlicht
zu  seiner  Rechtfertigung  einige  Actenstüce  zund  Fürst  Bismark  antwortet
durch  Veröffentlichung  einiger  anderer.

„  [Oesterreich-Ungarn:]  Oesterreich  .  Herrenhaus-  genehmigt  das  erste  und
wichtigste  der  consessionellen  Gesetze  seinerseits  mit  173  gegen  43  Stimmen.

.  [Frankreich]  Die legitimistischen Blätter greifen das Septennat unter

Ablegung  des  letzten  Restes  von  Rücksicht  gegen  den  Marschall  an.

14. .  [Deutsches  Reich.]  Reichstag:  genehmigt  den  Compromiß  in  der  Mililärgesetzfrage
  mit  224  gegen  146  Stimmen.  Ein  Theil  der  Fortschrittspartei
stimmt  dabei  mit  der  Majorität,  die  Mehrheit  derselben  aber  und  die  Ultramontanen
  wie  Ein  Mann  stimmen  gegen  den  Compromiß.

.  [Deutschland:  Preußen.]  Die  preußischen  Domcapital  reichen,  wie  es
scheint  nach  gemeinsamer  Uebereinkunft,  der  Regierung  eine  Verwahrung
gegen  den  Gesetzesentwurf  über  die  Verwaltung  (von  Staatswegen)  erledigter
Bisthümer  ein,  mit  der  Erklärung,  daß  sie  ihrerseits  nicht  im  Falle  wären,
eine  Sadisvacanz  anzunehmen  und    einen  neuen  Bischof  oder  auch  nur  einen
Capitelsvicar  zu  wählen

„  [Pforte:  Agypten.)  Die  Pforte,  von  Deutschland,  Oesterreich,  England
und  Italien  gedrängt,  fordert  den  Khedive  von  Aegypten  auf,  die  Beschlüsse
der  internationalen  Suegcanalconferenz  vom  vorigen  Jahre  endlich  gegen
Lesseps  energisch  durchzuführen  und  der  Khedive  setzt  demselben  nunmehr
eine  Frist,  binnen  welcher  er  sich  zu  unterziehen  habe,  widrigenfalls  er  den
Suczcanal  in  seine  Hände  nehmen  würde.

.  [Vereinigte  Staaten ]  Beide  Häuser  des  Congresses  verständigen  sich
über  eine  Erhöhung  des  umlaufenden  Papiergeldes.  Der  Präsident  legt  jedoch
  sein  Veto  gegen  den  Beschluß  ein.

15. „  [Deutschland:  Preußen.  Der  kgl.  Gerichtshof  für  kirchliche  Angelegenheiten
erkennt  einstimmig  den  Erzbischof  von  Posen  und  Guesen  Ledochowski  wegen
fortgesetzer  Gesetzesverletzung  seines  bischöflichen  Aemtes  für  verlustig.

.  [Frankreich.]  Die  Wallfahrtsdemonstrationen  finden  neuerdings  über  das
ganze  Land  hin  statt.

[Oesterreich-Ungarn:    Oesterreich.)  Reichsrath:  genehmigt  auch  das  dritte

der  dier  confessionellen  Gesetze.

18. [Deutsches  Reich.)  Reichstag:  genehmigt  die  Vorlage  des  Bundesrathes
betr.  Einziehung  des  bisherigen  Papiergeldes  der  Einzelstaaten  und  die  Ausgabe
  von  Reichscassenscheinen.