302 Großbritannien. (September 13.—20.)
in das Gefängnis nach Michelstown gebracht. Ebenso der aus
gleicher Ursache angeklagte Mandeville.
13. September. (Parnellitische Reden.) Unterhaus: Bei
den Beratungen über den Etat der irischen Gefängnisse ergehen sich
die Parnelliten in den heftigsten Reden.
O'Connor erklärt, es gäbe keine verächtlichere, brutalere oder bestialischere
Politik, als die, politische Gegner dadurch zum Schweigen zu bringen,
daß man ihnen sechs Monate Kerkerhaft diktiere. Er wolle den sehr
ehrenwerten Herrn (Balfour) fragen, ob er allein unter zivilisierten Ministern
den Grundsatz aufzustellen gedenke, daß politische Gegner wie gemeine
Verbrecher behandelt werden sollen. „Ich wünschte," schließt der Redner,
„daß der Tag kommen mag, wo ich im Stande sein werde, dem sehr ehrenwerten
Herrn sechs Monate Gefängnis zu geben." Healy sagt, wenn er
die Unbill zu erleiden gehabt hätte, die einigen seiner Freunde zu Teil geworden,
so würde er mit der Erzählung seiner Erlebnisse im Gefängnisse
gewartet haben, bis eines Tages die Prinzessin von Wales mit ihren Töchtern
in der Damengalerie des Hauses erschienen sei. „Wäre ich einer der
Männer, die in solcher Weise behandelt worden, würde ich einen Kübel voll
schmutzigen Wassers aufbewahren und denselben hier in diesem Hause dem
Ober-Sekretär ins Gesicht schütten.“ Der Sprecher rügt diese Aeußerung
in strengen Ausdrücken und fordert Healy auf, dieselbe zurückzuziehen, wozu
sich dieser nach langem Zaudern versteht.
16. September. Vertagung des Parlaments.
Die Thronrede betont, daß die Beziehungen zu den auswärtigen
Mächten fortwährend freundschaftliche seien, und gibt der Hoffnung Ausdruck,
daß mit Rußland in Betreff der nördlichen Grenze Afganistans eine
Konvention zum Abschlusse gelangen werde, welche, von dem Emir gern angenommen,
zur Aufrechthaltung eines dauernden Friedens in Zentral-Asien
mächtig beitragen werde. Die Thronrede macht einen Hinweis auf die
ägyptische Konvention, welche vom Sultan nicht ratifiziert wurde, und sagt,
das der Königin durch ihre Verpflichtungen gegen den Souverän und das
Volk Aegyptens auferlegte Verhalten bleibe unverändert. Die Anwesenheit
der englischen Streitkräfte habe Aegypten die Wohlthaten der Ruhe gesichert
und der Königin gestattet, die Bemühungen des Khedive, seinem Volke eine
gute Regierung zuzuwenden, wirksam zu unterstützen. — Die Königin sei
mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Amerikas übereingekommen,
die schwierigen Fragen, welche aus dem nordamerikanischen Fischereirechte
entspringen, einer Kommission von Vertretern beider Länder zu überweisen.
Die Königin habe allen Grund zu der Annahme, daß der Druck, welcher lange
Zeit hindurch auf den kommerziellen und industriellen Interessen lastete,
einen minder ernsten Charakter anzunehmen beginne, bedauert indessen, daß
die harten Prüfungen der landwirtschaftlichen Bevölkerung nicht abgenommen
haben, und hofft, daß die votierten Gesetze für Irland die Wiederherstellung
der Ordnung herbeiführen und die Industrie ermutigen würden.
Zum Schlusse dankt die Königin in lebhaften Ausdrücken ihren Unterthanen
im ganzen Reiche für die loyalen Kundgebungen anläßlich ihres Jubiläums.
20. September. (Irland.) Eine Proklamation der Regierung
ordnet die Unterdrückung der National-Liga in der
Grafschaft Clare und in gewissen Bezirken der Grafschaften Leitrim,
Galway, Kerry, Cork und Wexford an.