Erehjbritannien. (September 22. —Oktober 18.) 303
22. September. Die „Agence Havas“ meldet, daß die Königin
Viktoria die erbetene Vermittelung zwischen Italien und
Abessynien angenommen habe.
Ende September. (Indien.) Der Nizam von Heiderabad
richtet an den Vizekönig von Indien einen Brief des Inhalts:
„Er habe seit geraumer Zeit bemerkt, daß die Einkünfte Indiens wenig
Zunahme bekunden, während die Ausgaben stetig im Wachsen seien,
und er habe ermittelt, daß letztere Thatsache lediglich den großen Summen
zuzuschreiben sei, die der besseren Verteidigung der indischen Grenze, welche
durch das aggressive Vordringen Rußlands in Mittelasien notwendig gemacht
werde, gewidmet werden."“ Der Herrscher von Heiderabad drückt alsdann
die Ueberzeugung aus, daß ganz Indien von diesen Maßnahmen für
eine Sicherheit gegen einen Angriff von außen Vorteil ziehe und darum
ühle er „als der älteste Bundesgenosse der Engländer in Indien“, daß es
ihm obliege, in irgend einer offenen Weise zu zeigen, daß die Interessen
aller Einwohner Indiens, brittischer wie eingeborener, in dieser Frage der
Grenzverteidigung gegen russische Aggression identisch sind. Er biete folglich
der Regierung der Königin-Kaiserin durch Ihrer Majestät Vertreter, den
Vizekönig, als freie Schenkung den Betrag von 20 Lakhs Rupien (200,000
Pfd. St.) jährlich für zwei Jahre an, welche Summe den Zwecken der Förderung
der militärischen Verteidigung der nordwestlichen Grenze gewidmet
werden soll. Zum Schluß erklärt der Nizam freimütig, daß sein Geldbeitrag
nur für die Zeit des Friedens und der Vorbereitung bestimmt sei.
Wenn aber die Stunde des Kampfes mit irgendeinem Eindringling in Indien
erscheine, könne England auf seinen Degen zählen.“
6. bzw. 31. Oktober. (JIrland.) Prozeßverhandlung
gegen den Lord Mayor Sullivan von Dublin und O'Brien,
weil sie in irländischen Zeitungen Berichte über die Verhandlungen
der unterdrückten Zweige der Nationalliga veröffentlichten.
Der Lord Mayor wird auf dem Wege zum Gerichte, dem Beschlusse
des Gemeinderates gemäß, von den Aldermen und den städtischen Schwertund
Szepterträgern in Amtstracht begleitet. Den Eintritt der Letzteren in
den Gerichtsfaal verhindert nach längerem Widerstande die Polizei, welche
dieselben zwingt, sich auf die Galerie zu begeben. O'Brien erscheint nicht.
Das Polizeigericht erkennt auf Grund eines vom Verteidiger vorgebrachten
technischen Einwandes auf Einstellung des Prozesses. Der Staatsprokurator
appelliert. Der Lord Mayor wird beim Heimwege stürmisch begrüßt.
Auch das Verfahren gegen O'Brien wird infolgedessen bis nach der
Entscheidung über die Berufung des Staatsprokurators eingestellt.
Bei der Wiederaufnahme des Verfahrens wird O'Brien zu Zmonatlicher
Gefängnisstrafe verurteilt und die eingelegte Berufung verworfen. Er
hält in der Zwischenzeit eine große Versammlung zu Woodford (Galway)
ab, wo er mit einer Illumination der Stadt begrüßt wird, obgleich diese
Versammlung polizeilich verboten worden ist, und verbrennt das Verbot.
Er wird alsdann zu Midleton verhaftet und nach Cork übergeführt.
Es folgen zahlreiche weitere Prozesse und Verurteilungen der Agitatoren
der irischen Nationalliga, so Wilfried Blunts, des Abg. Cox', des
Redakteurs Walshs u. a.
18. Oktober. Gladstone hält zu Nottingham mit Harcourt
und Morley eine große liberale Parteiversammlung ab.