52 Das deutsche Reich und seine einzelnen Glieder. (Januar 11.—14.)
garischen Kastanien aus dem Feuer zu holen wagen." Ich frage: sind dies
Kriegshetzereien oder nicht Darf man daraus schließen, daß die Staatsmänner,
die hinter diesen Blättern stehen, den Wunsch gehegt haben, uns
mit Rußland in einen Krieg zu führen? — Dann wäre es ein sehr eigentümliches
Zusammentreffen, auf welches ich schon aufmerksam gemacht habe:
daß dieselben Parteien, die so bereitwillig sind, uns in einen Krieg zu stürzen,
hier die Mittel, den Krieg zu führen, uns hartnäckig versagen oder doch
nur auf kurze Zeit bewilligen wollen; woran sich doch immer die Neigung
knüpft, die Krisis, die jedesmal mit diesen Verhandlungen verbunden ist,
nicht zu lange aufzuschieben. Sieben Jahre der inneren Ruhe, des inneren
Friedens — das kann keine eifrige Parteipolitik ertragen; solche Gemütsbewegungen
und Kämpfe, bei denen der Rechtsboden der deutschen Verfassung
funditus erschüttert wird, brauchen Sie öfter zu Ihren — ob Gallenbewegung,
ich weiß es nicht. Aber wir wünschen Ruhe und Frieden im Innern
wie nach außen und wünschen nicht, daß alle 3 Jahre, sondern höchstens
alle 7 Jahre die Frage, ob die deutsche Armee, das heißt das deutsche
Reich und die Verfassung, — denn ohne Armee sind beide, wie Herr Windthorst
anerkennt, nicht denkbar — fortbestehen sollen, und mit welchem Grade
von Sicherheit, — wir wollen, daß diese Frage nur alle 7 Jahre erörtert
wird. Wer konfliktslüsterner ist als wir, dem werden wir nicht zustimmen
und werden ihn in seiner Kampfbegierde allein lassen und ihm sagen: wenn
Sie Händel brauchen, so suchen Sie sich dieselben wo anders auf; bei uns
sind sie nicht zu finden.
Ich weiß nicht, von welcher Seite — ich habe nur die Notiz gemacht,
daß es gesagt wurde — ist man auch wieder zurückgekommen auf die hannoversche
Frage und sie ist dargestellt in einer ähnlichen Weise wie gestern
von dem Herrn Abgeordneten Dr. Windthorst. Es ist ja einerlei, wie der
Wortlaut der Äußerung gewesen ist. Ich wollte nur Gelegenheit nehmen,
darauf aufmerksam zu machen, daß es doch kein ganz zutreffender Vergleich
ist, den Bund zwischen dem ehemaligen Königreich Hannover und dem französischen
Kaisertum, wie der Herr Abgeordnete Dr. Windthorst das gestern
that, auf eine Linie zu stellen mit dem italienisch-preußischen Bündnis im
Kriege 1866. Die Herstellung des Königreichs Hannover durch die hannoversche
Legion im Gefolge des französischen Kaisers war doch nur denkbar,
wenn gleichzeitig dabei das linke Rheinufer für uns verloren ging, oder was
Napoleon uns sonst abnehmen wollte. Aber das Bündnis Preußens mit
Italien hätte in keinem Falle Folgen nach dieser Seite hin haben können.
Es wäre kein Rheinufer dabei ins Spiel gekommen und kein deutsches Land,
es war höchsten italienisches Land; ob es für Osterreich ein Segen war, in
Italien zu herrschen, das ist in Österreich selbst eine sehr zweifelhafte Frage.
Aber von deutschem Lande war in dem Bündnis keineswegs die Rede. Die
Herren werden mir zugeben, daß ein siegreiches Frankreich, welches bei uns
Hannover hergestellt haben würde, sich damit nicht begnügt haben würde;
sondern es würde doch auch gedacht haben: selber essen macht fett, wie das
Sprichwort sagt; es würde für Frankreich selbst direkt das Rheinufer genommen
haben, und so, wie wir damals die französischen Wünsche kannten,
— sie sind ja aus den Benedettischen Verhandlungen bekannt — so deckte
sich das ungefähr mit dem Winkel, der vom rechten Moselufer und von dem
linken Rheinufer eingeschlossen wird einschließlich Koblenz; denn das war
ja, was man uns als einen Preis im Frieden abforderte. Wenn das schon
damals der Fall war, so ist es doch also wohl sicher, daß Napoleon in
einem siegreichen Kriege, wenn er den Frieden diktieren konnte, das ganze
linke Rheinufer genommen haben würde. Wenn nun der Herr Abgeordnete
Dr. Windthorst oder der Herr, der heute in diesem Sinn über dise Frage