Das deutsche Reich und seine einzelnen Glieder. (Januar 11. —14.) 55
das werden Sie aus meiner Statistik ersehen. Wenn ich die Durchschnittsziffer
der Spareinlagen ziehe -- ich habe hier die Einlagen nach den verschiedenen
Provinzen geschieden, — so werden Sie finden, daß am tiefsten
unter dem mittleren Durchschnitt die rein ackerbautreibenden Provinzen stehen,
und am hoöchsten die industrie- und handeltreibenden Provinzen. Es kommt
auf die Gesamtheit im Durchschnitt auf jeden Kopf — auch das Kind in
der Wiege — 80 Mark Sparkasseneinlage in der ganzen preußischen Monarchie.
Ich werde Ihnen nun diejenigen Angaben machen, die erheblich drunter sind.
Da ist erstlich einmal Ostpreußen mit 15 Mark im Durchschnitt, Westpreußen
mit 22 Mark; Brandenburg mit 54 Mark erreicht den Durchschnitt der
Gesamtheit auch nicht; Posen zählt 15 Mark gleich Ostpreußen, als eine
industriearme und wenig Handelsverkehr habende Provinz; Schlesien 44 Mark;
dann kommen Sachsen mit 104 Mark, Schleswig-Holstein mit 241 Mark,
weil es Handel, Seefahrt, also Wohlhabenheit hat. Ich gebe zu, Schleswig-Holstein
ist ebensowohl eine Ackerbauprovinz; aber gerade der Großgrundbesitz,
der gewöhnlich die Scheibe bildet, nach der geschossen wird, der ist in Schleswig-Holstein
doch so gering vertreten, wie kaum in den anderen Provinzen, —
der Besitz ist vorwiegend ein bäuerlicher. Hannover hat 150 Mark, Westfalen
192 Mark pro Kopf, und Hohenzollern — wieder rein ackerbautreibend
— 50 Mark. Sie werden daraus ersehen, daß die rein ackerbautreibenden
Provinzen sich lange nicht einer so blühenden Situation in Bezug auf die
Sparkasseneinlagen erfreuen wie die rein industriellen und merkantilen, und
daß eben unter dem heutigen Regime sich die Güter dieser Welt ungleich
verteilen. Aber vor allen Dingen geht daraus hervor, daß die arbeitende
Klasse — von der, wie ich mich erkundigt habe, die Haupteinlagen im
Ganzen herrühren — sich seit der Einführung der Schutzzölle, seit 1879, in
einer ununterbrochen fortschreitenden Sparkassenwohlhabenheit befindet. Ich
kann in die Häuser nicht hineinsehen; aber ich kann mir nicht denken, daß
die Arbeiter irgend etwas unentbehrliches entbehrt haben werden, um diese
Gelder in die Sparkassen zu tragen. Ich berufe mich da auf das, was aus
den amtlichen Listen ersichtlich ist.
Der Herr Vorredner hat ferner jeden Zusammenhang von Reichstagsmitgliedern
mit den Zeitungen, die ich zitiert habe, ganz bestimmt zurückgewiesen.
Er hat damit vielleicht einzelne hervorragende Persönlichkeiten im
Auge gehabt, also z. B. seinen ihm nächststehenden Geschäftsfreund, den Abgeordneten
Richter. Der hat ja wohl gewiß keine Beziehungen zur öffentlichen
Presse, obwohl ich nicht weiß, ob er nicht im Kalender als dieser
Richtung der Thätigkeit angehörig angegeben ist. Er hat damit jedenfalls
zugegeben, daß das, was die „Germania“ schreibt, ohne jedes Fundament
irgend einer höher stehenden Autorität ist, daß das nur die bedauerliche
Tagesleistung der Redaktion ist, daß sie also gar keinen Kredit dafür hat,
daß nicht eine auch nur so weit in der Politik eingeweihte Autorität hinter
ihr steht, als es ein Abgeordneter sein muß. Ich weiß nicht, ob es der
„Germania“ ganz lieb sein wird, wenn das öffentlich bekannt wird, daß sie
ganz auf eigenen Füßen steht und vom Abgeordneten Windthorst zurückgewiesen
wird in ihres Nichts durchbohrendes Gefühl. Der Herr Abgeordnete
hat außerdem gesagt, daß es mit mir ganz anders sei: ich stände — ich
weiß nicht, mit wie vielen Zeitungen in einer solchen Verbindung, daß ich
nicht nur schreiben lasse, sondern selbst darin schriebe; er hat meinen Stil
darin wieder erkannt. Es ist mir sehr schmeichelhaft, wenn man das findet.
Die Zeitungen schreiben einen sehr viel besseren Stil als ich. So viel ich
mir auch Mühe gebe, so kann ich den Schwung der Phrase, die überhaupt
nicht meine Form ist, nicht herausbringen, wie ich sie so oft in diesen Zeitungen
mit Vergnügen lese. Es wäre mir also schmeichelhaft, wenn man mich darin