Inhaltsverzeichnis : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Erster Teil. (58a)

Ne#sches  Reich.  (Januar  5.)  5

Der  Vorstand  der  Soz.  Arb.  erklärt  dagegen,  daß  die  Zusammenkunft
„gerade  dem  Zweck  dient,  gegenüber  dem  organisations-  und  statutenwidrigen
sowie  parteizerstörenden  Treiben  des  Parteivorstandes  Schutzmaßregeln  zu
ergreifen“.

5.  Jan.  Erlaß  des  Kaisers  an  Heer  und  Marine.

An  Mein  Heer  und  Meine  Marine!

Im  Verein  mit  den  Mir  verbündeten  Herrschern  hatte  Ich  unseren
Feinden  vorgeschlagen,  alsbald  in  Friedensverhandlungen  einzutreten.  Die
Feinde  haben  Meinen  Vorschlag  abgelehnt.  Ihr  Machthunger  will  Deutschlands
  Vernichtung.

Der  Krieg  nimmt  seinen  Fortgang!

Vor  Gott  und  der  Menschheit  fällt  den  feindlichen  Regierungen  allein
die  schwere  Verantwortung  für  alle  weiteren  furchtbaren  Opfer  zu,  die  Mein
Wille  Euch  hat  ersparen  wollen.

In  der  gerechten  Empörung  über  der  Feinde  anmaßenden  Frevel,  in
dem  Willen,  unsere  heiligsten  Güter  zu  verteidigen  und  dem  Vaterland  eine
glückliche  Zukunft  zu  sichern,  werdet  Ihr  zu  Stahl  werden.

Unsere  Feinde  haben  die  von  Mir  angebotene  Verständigung
  nicht  gewollt.  Mit  Gottes  Hilfe  werden  unsere  Waffen  sie
dazu  zwingen!

Großes  Hauptquartier,  den  5.  Jannar  1917.  Wilhelm  I.  R.

5.  Jan.  Kaiser  Wilhelm  empfängt  im  Großen  Hauptquartier
den  österr.-ung.  Minister  d.  Außern  Grafen  Czernin  und  verleiht
ihm  den  Schwarzen  Adlerorden.

Am  6.  trifft  Graf  Czernin  zu  einem  zweitägigen  Aufenthalt  in
Berlin  ein.

Die  „Nordd.  Allg.  Ztg.“  schreibt  aus  diesem  Anlaß:  Wir  begrüßen
den  österreichisch-ungarischen  Staatsmann  auf  das  herzlichste  in  der  deutschen
Hauptstadt.  Als  Graf  Czernin  vor  wenigen  Wochen  das  hohe  Amt  übernahm,
  in  das  ihn  das  Vertrauen  seines  Kaisers  und  Königs  berief,  wurde
von  allen  Seiten  ausgesprochen,  daß  die  Leitung  der  auswärtigen  Politik
der  verbündeten  Monarchie  in  keine  besseren  Hände  gelegt  werden  konnte.
Graf  Czernin  weiß,  daß  ihm  auch  in  Deutschland  die  lebhaftesten  Sympathien
  und  die  aufrichtigsten  Wünsche  für  die  glückliche  und  erfolgreiche
Durchführung  seiner  großen  Aufgaben  entgegenkommen.  Die  Besprechungen,
die  seinen  Aufenthalt  in  Berlin  ausfüllen  werden,  bieten  erwünschte  Gelegenheit,
  in  vertrauter  Aussprache  alle  Fragen  zu  erörtern,  die  uns  und
unseren  Verbündeten  gemeinsam  am  Herzen  liegen.

5.  Jan.  (Reichstagsersatzwahl.)  Im  Wahlkreise  Köln
(Stadt)  wird  an  Stelle  des  verst.  Abg.  Hofrichter  Redakteur  J.  Meerfeld
  (Soz.)  mit  3094  Stimmen  gewählt.

Stimme  erhält  Dr.  R.  Breitscheid  (Soz.  Arb.);  42  Stimmen  sind
ungültig,  darunter  18  für  Dr.  K.  Liebknecht.

5.  Jan.  Für  die  thüringischen  Staaten  wird  auf  Beschluß
der  beteiligten  Ministerien  ein  Ernährungsausschuß  mit  dem  Sitz
in  Weimar  errichtet.

5.  Jan.  (Koburg-Gotha.)  Der  Gemeinsame  Landtag  tritt
zu  einer  kurzen  Tagung  zusammen.