Das Dentsqhe Reih und seine einzelnen Glieder. (Januar 16.) 7
keiten bereitet würden. Für den Antrag sprechen mit scharfen Angriffen
auf den Minister die Abgg. v. Manteuffel (kons.), v. Kardorff (R.)
und Lieberman von Sonnenberg (Refp.). Gegen den Antrag Abg.
Richter (fr. Bp.) und Herbert (Soz.).
Der Antrag wird in namentlicher Abstimmung mit 219 gegen 97
Stimmen abgelehnt. Dafür stimmen bis auf wenige Ausnahmen die Konservativen,
die Reichspartei und die Antisemiten, ferner einige Nationaliberale.
Der Minister von Hammerstein wird wegen seiner Verurteilung der
agrarischen Agitation von den konservativen und agrarischen Blättern wie
„Deutsche Tagesztg."“, „Kreuz-Ztg.“ heftig angegriffen, während die
antiagrar. Organe für ihn eintreten.
16. Januar. (Preuß. Abgeordnetenhaus.) Präsidentenwahl,
Etat. Rede des Finanzministers.
Nachdem die Abgg. v. Köller (dkons.), Frhr. v. Heeremann (3.).
Dr. Krause (nl.) zu Präsidenten gewählt sind, legt Fin.-Min. Dr. Miquel
den Etat vor. Derselbe veranschlagt für 1896,97 die ordentlichen Einnahmen
auf 1924118169, die ordentlichen Ausgaben auf 1859561591.4;
die außerordentlichen Ausgaben auf 79696578 “; es ergibt sich demnach
ein Fehlbetrag von 15140 000 —4, welcher durch eine Anleihe zu decken ist.
Gegenüber den Veranschlagungen des laufenden Etatsjahres ergeben für
das Etatsjahr 1896 97 die ordentlichen Einnahmen mehr 57664 350 -&,
die ordentlichen Ausgaben mehr 21067166 , die außerordentlichen Ausgaben
mehr 17437 184 "44 Der Fehlbetrag von 1896/97 ist um 19 160 000-41
geringer als derjenige des laufenden Etats mit 34300000 4 — Nach dem
festgestellten Reichshaushaltsetat für 1895/96 ermäßigt sich gegenüber dem
Etatsentwurf der Matrikularbeitrag Preußens um 10 893 852 „X, während
die Ueberweisungen des Reiches an Preußen sich um 2780 620 44 erhöhten,
so daß der Fehlbetrag des laufenden preußischen Etats thatsächlich nur
20 625528 JC betrug, mithin der Etat für 1896/97 nur eine Ermäßigung des
des Fehlbetrages um 5485528 aufweist.
Der Finanzminister führt aus, die Unsicherheit der Schätzungen rühre
von der Verquickung der Finanzen des Reiches mit denen der Einzelstaaten
her, und würde vor Durchführung der Reichsfinanzreform nicht wegfallen.
Die Finanzen Preußens hätten sich gebessert; doch dürften die dauernden
Bedürfnisse nicht erhöht werden, sondern nur das Extraordinarium, das
man in schlechten Zeiten wieder einschränken könne. Das laufende Jahr
werde vielleicht infolge höherer Eisenbahnüberschüsse und höherer Erträge
der Zölle und Tabaksteuer mit einem kleinen Ueberschuß abschließen. Ueber
die Schuldentilgung sagt der Minister: Bekanntlich tilgen wir im Reiche
keine Schulden: wir müssen uns also 3/ der Reichsschulden zurechnen und
um so schärfer mit der Tilgung in Preußen vorgehen. Aber wir tilgen
nur 0,518 pCt. der Gesamtschulden. Wir haben Schulden für produktive
Zwecke gemacht; die Eisenbahnen können die gesamte Slaatsschuld nicht
bloß verzinsen und tilgen, sondern auch noch einen Ueberschuß für allgemeine
Staatszwecke hergeben. Aber da im Reich gar nicht getilgt wird,
können wir nicht davon sprechen, daß zuviel geschieht. Wir müssen diese
Tilgung verschärfen.
16. Januar. (Bayerischer Landtag.) Abgeordnetenhaus.
Beratung über Konversionsanträge.
Das Haus genehmigt den Antrag Daller, die Regierung möge
die Konverfion der vierprozentigen Staatsschuld in eine dreieinhalbprozentige