Das Deutsche Reich und seine einzelnen Glieder. (Febr. 28. März 1.) 43
bestraft worden sind; im übrigen sind die sämtlichen beteiligten Instanzen
erneut mit Nachdruck auf die Bestimmung hingewiesen worden, die ich bei
Besprechung der Interpellation schon mitgeteilt habe; insbesondere ist ihnen
eine Kabinettsordre vom 16. Juli 1895 erneut eingeschärft worden, welche
aus Anlaß eines Spezialfalls die Willensmeinung Sr. Majestät dahin
kundgegeben hat, daß von der Befragung von Offiziersaspiranten darüber,
ob sie eventuell bereit sein würden, mit der Waffe in der Hand Genug-
thuung zu geben oder zu fordern, weil unzulässig, abzusehen sei. Dieser
Erlaß ist, wie gesagt, sämtlichen Offizierkorps erneut mitgeteilt und ein-
geschärft worden. — Es knüpft sich daran eine längere Debatte über die
Berechtigung der Duelle und ihre Verbreitung in der Armee.
Am folgenden Tage beschwert sich Abg. Kunert (Soz.) über Miß-
handlungen von Untergebenen, worauf General v. Viebahn erwidert, die
Zahl der Mißhandlungen nehme beständig ab; in den letzten 10 Jahren
seien sie von 1,10 Prozent auf 0,63 Prozent zurückgegangen.
Ende Februar. Ergebnis der Volkszählung vom 1. De-
zember 1900.
Nach amtlichen Mitteilungen beträgt die Bevölkerung des Deutschen
Reiches 56345014 Personen (27731067 männlich, 28 613 947 weiblich),
gegen 1895 eine Zunahme um 4065113 = 7,78 Prozent. — In den
33 Großstädten (über 100 000 Einw.) wohnen 9 108 814 = 16,17 Prozent.
28. Februar. (Hessen.) Kammerbeschluß über Arbeitslöhne
und Koalitionsfreiheit.
Die zweite Kammer genehmigt nach langer Debatte mit 15 gegen
13 Stimmen einen Antrag an, worin die Regierung ersucht wird, den
Ständen baldigst eine statistische Zusammenstellung über die in einzelnen
Betrieben gezahlten Löhne in Mindest- und Höchstmaß zugehen zu lassen,
und worin die Kammer ferner die Hoffnung ausspricht, daß auch den im
Staatsdienst beschäftigten Arbeitern das Recht freier politischer Meinungs-
äußerung und Koalitionsfreiheit gewährt und beides praktisch gehand-
habt werde.
1. März. (Dresden.) Abg. Ackermann, Führer der säch-
sischen Konservativen, +.
1. März. (Heidelberg.) Professor der Geschichte Bernhard
Erdmannsdörffer, 68 Jahre alt, +. (Vergl. über ihn Gothein,
Preuß. Jahrbücher Bd. 104; D. Schäfer, Hist. Zeitschr. Bd. 87).
1. März. (Preußisches Abgeordnetenhaus.) Inter-
pellation über den Mangel an Volksschullehrern.
Abg. Kopsch (fr. Vp.) bringt eine Interpellation ein, welche Ursache
der augenblickliche Mangel an Volksschullehrern habe und wie ihm die
Regierung abhelfen wolle. Er führt aus, daß zahlreiche etatsmäßige Lehrer-
stellen, namentlich in Schlesien und Posen, nicht besetzt seien. Einzelne
Lehrer hätten über 100 Kinder zu unterrichten. Der Grund für den
Mangel liege in der zu starken Pensionierung der älteren Lehrer und in
der zu großen Berücksichtigung des Drängens nach konfessionellen Schulen
für verschwindende Minderheiten. Eine weitere Ursache liege in der schlechten
Bezahlung der Lehrer, da viele bis zu ihrem 26. Lebensjahre nur
6—700 Mark erhielten; es sei daher eine Revision des Besoldungsgesetzes
notwendig. Kultusminister Dr. Studt: Der Lehrermangel hänge nicht mit