Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Zweiundzwanzigster Jahrgang. 1906. (47)

        Das  Deutsche  Reich  und  seine  einzelnen  Glieder.  (August  5.—13.)            151

entsprechende  Ergänzung  der  Gerstenzollverordnung  anregen.  Was  die  Befürchtung
  anlange,  Oesterreich  könnte  Ausfuhrprämien  auf  Gerste  gewähren
oder  zu  dem  System  der  Einfuhrscheine  übergehen,  so  habe  die  bayerische
Regierung  ihr  Augenmerk  auf  diese  Angelegenheit  gerichtet.  Auch  die
Reichsregierung  habe  die  Angelegenheit  verfolgt  und  sei  mit  der  österreichisch-ungarischen
  Regierung  ins  Benehmen  getreten;  der  Ausgang  des
zwischen  der  Reichsregierung  und  der  österreichisch-ungarischen  Regierung
eingeleiteten  Benehmens  sei  abzuwarten.  Die  bayerische  Regierung  werde
alles  tun,  was  zur  Abwendung  der  befürchteten  Schädigung  der  einheimischen
  Landwirtschaft  geschehen  könne.

       5.  August.  (E i s e n a c h.)  Tagung  der  Haus=  und  Grundbesitzervereine.


        August.  (P o s e n .)  In  vielen  Volksschulen  verweigern  die
polnischen  Kinder  im  Religionsunterricht  die  deutsche  Antwort.

        9.  August.  Die  B a y e r i s c h e   A b g e o r d n e t e n k a m m e r  genehmigt
  einen  Antrag  Frank,  daß  dem  Staate  bei  Privatmutungen
auf  Eisenmangan,  Schwefel,  Alaun,  Vitriolerze  und  Kohlen  das
Recht  der  Anschlußmutung  eingeräumt  wird.

August.  (P r e u ß e n.)  Der  Vorstand  des  preußischen  Lehrervereins
  fordert  in  einer  Petition  an  den  Kultusminister  Neuordnung
  der  Schulaufsicht:

          E s  ist  ein  alter  Wunsch  der  Lehrerschaft,  daß  alle  Schulaufsicht
ausgeübt  werde  von  Fachleuten,  also  von  Männern,  welche  die  Pädagogik
in  allen  ihren  Verzweigungen  eingehend  studiert  und  sich  in  langjähriger
praktischer  Volksschularbeit  als  tüchtige  Schulmänner  bewährt  haben.  Ohne
den  Geistlichen,  die  gegenwärtig  fast  ausschließlich  die  Schulaufsicht  nebenamtlich
  ausführen,  zu  nahe  zu  treten,  kann  man  es  doch  aussprechen,  daß
sie  nicht  Schulmänner  in  dem  Sinne  sind,  wie  es  Schulaussichtsbeamte  sein
müssen.  Hieraus  aber  ergeben  sich  Folgen,  die  im  Interesse  der  Schule
nicht  zu  wünschen  sind.  »

       10.  August.  (B a y e r i s c h e   A b g e o r d n e t e n k a m m e r.)  Ubergangsabgabe
  für  Bier  aus  Bayern  nach  Norddeutschland.

Der  Bundesrat  setzt  die  Abgabe  auf  2,75  Mark  fest.  Der  bayerische
Brauerbund  verlangt  in  einer  Petition  Herabsetzung  auf  2,25  Mark.  Die
Abgeordnetenkammer  verweist  einstimmig  die  Petition  der  Regierung  zur
Berücksichtigung.  Finanzminister  v.  Pfaff:  Die  bayerische  Regierung  werde
für  die  Ermäßigung  energisch  eintreten.  Der  Satz  von  2,75  entspreche
weder  den  tatsächlichen  Verhältnissen  noch  sei  er  in  Einklang  zu  bringen
mit  den  Bestimmungen  der  Reichsverfassung  und  des  Zollvereinsvertrages
von  1867.  Daß  freilich  der  Satz  gleich  auf  2,25  gemindert  werde,  dafür
könne  die  bayerische  Staatsregierung  nicht  garantieren.  Er  hoffe,  daß  bei
den  ausgezeichneten  Beziehungen  zwischen  Bayern  und  dem  Reich  den  berechtigten
  Wünschen  Bayerns  Rechnung  getragen  werde.

        13.  August.  (B a y e r n.)  Finanzminister  a.  D.  Freiherr
v.  Riedel  verst.  —  Geboren  1832  als  Sohn  eines  protestantischen
Pfarrers  in  Kriegenaltheim  bei  Ansbach,  1859  Assessor  im  Finanzministerium,
  1877—1904  Finanzminister.