284 Bayern unter Martmilian II Emanuel.
Gewalt abzuschütteln. Durch's ganze Land ging die Losung:
„Lieber bayerisch sterben, als kaiserlich verderben,"
und binnen kurzer Zeit lag Bayerns waffenfähige Bevölkerung
an den verschiedensten Punkten mit den österreichischen Truppen
im Kampfe, bis sie die steigende Uebermacht der Gegner zur
Unterwerfung zwang.
Den Anfang zu dieser Erhebung hatten 500 Bauern gemacht,
die bei Neunburg vor'm Wald und bei Rötz in der Oberpfalz
den Oesterreichern die ausgehobenen jungen Leute mit Gewalt
entrißen. Ihrem Beispiele folgten die Bauern am Inn und an
der Isar. Allenthalben gab es Haufen kräftiger Leute, bereit,
das Vaterland zu befreien. Junge Männer von höherer Bildung
stellten sich an die Spitze der kühnen Bürger und Landleute und
suchten dem kräftigen Arme des gemeinen Mannes durch ihren
verständigen Rath den Erfolg zu sichern. Unter diesen zeichneten
sich die zwei Studirenden der Hochschule Ingolstadt, Plinganser
und Meindl, und ein Wachtmeister der aufsgelösten bayerischen
Armee, Hofmann, besonders aus. Plin ganser, der zu Ingolstadt
die Rechte studirte, eilte in seinen Geburtsort Pfarrkirchen
und ward von seinen Landsleuten als Führer erkoren. In wewenigen
Wochen standen an den Innufern gegen 30,000 Landleute
unter den Waffen, die den Namen „Landesvertheidiger"
führten. Die österreichischen Truppen, die sich nirgends sicher
sahen, eilten in die Festungen, aber Plinganser folgte ihnen
auf dem Fuße nach, bemächtigte sich der Festung Burghausen,
lieferte mit seinem Freunde Meindl dem österreichischen General
Wendt ein Treffen und stürmte Braunau und Schärding.
Weder einzelne Niederlagen, noch der Anblick ihrer gefangenen
Brüder, welche von den Oesterreichern an den nächsten Bäumen
aufgeknüpft wurden, schreckten die Landesvertheidiger von ihrem
Vorhaben ab, sondern ihre Zahl wuchs mit jedem Tage. Vom
Inn und der Isar verbreitete sich der Aufstand an die Donau.
Die Städte Kelheim, Vilshofen und Cham erhoben sich
nacheinander. Eine Menge Landleute rottete sich endlich auch in
Oberbayern an der Grenze Tyrols zusammen in der Absicht,
die Stadt München wegzunehmen und die kurfürstlichen
Prinzen, die sich noch immer dort befanden, den Händen der
Kaiserlichen zu entreißen. Eine beträchtliche Anzahl mißvergnügter
Bürger, Hofbedienten, Studenten und andere Einwohner der
Stadt nahmen an dem Plane Theil und waren bereit, auf den
ersten Wink sich mit den Waffen in der Hand an den bestimmten
Sammelplätzen in der Stadt einzufinden, die österreichische Besatzung
zu überrumpeln und zu entwaffnen, sich der Thore zu