Metadata : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Vierundzwanzigster Jahrgang. 1908. (49)

440  Afriia.  (März  15.  —  April  Anfang.)

das  Schicksal  der  beiden  Kaufleute  konnte  zunächst  nichts  Näheres  in  Erfahrung
  gebracht  werden.  Beim  Einrücken  in  Bidjun  erhielt  die  deutsche
Spitze  Feuer;  ein  Soldat  wurde  dabei  verwundet.  Ebenso  hatten  die  Eingeborenen
  Oertzen  bereits  vorher  auf  dem  Marsche  beschossen;  die  Deutschen
hatten  dabei  einen  Schwerverwundeten.  Um  seinen  Vormarsch  durchführen
zu  können,  sah  sich  der  deutsche  Führer  nunmehr  seinerseits  gezwungen,
von  der  Schußwaffe  Gebrauch  zu  machen.  Einige  Eingeborene  fielen,  die
anderen  suchten  ihr  Heil  in  der  Flucht.  Durch  ausgeschickte  Boten  gelang
es  festzustellen,  daß  die  beiden  Franzosen  noch  am  Leben  waren.  Im
Laufe  des  nächsten  Tages  trafen  dann  die  beiden  Kaufleute,  die  Herren
Renault  und  Folquett,  im  deutschen  Lager  ein.  Sie  gaben  an,  von  den
Eingeborenen  der  Landschaft  Allad,  wo  sie  vor  kurzem  eine  Faktorei  angelegt
  hätten,  beraubt,  schwer  mißhandelt  und  mit  dem  Tode  bedroht
worden  zu  sein.  Ihre  Ermordung  durch  die  Essamasaleleute  habe  der
Häuptling  von  Bidjun  zunächst  zu  verhindern  gewußt.  Bis  auf  einige
persönliche  Diener  waren  den  beiden  Franzosen  sämtliche  Träger  und
Faktoreiangestellten  entflohen.  Infolge  Mangels  an  Lebensmitteln,  starker
körperlicher  Mißhandlung,  hervorgerufen  durch  übermäßiges  Binden  an
Armen  und  Beinen,  und  infolge  tagelangen  Umherirrens  in  unzureichender
Kleidung  hatte  ihr  körperlicher  Zustand,  besonders  da  auch  noch  Regenzeit
herrschte,  stark  gelitten.  Ein  Abmarsch  der  Franzosen  in  südlicher  Richtung
war  bei  der  immer  noch  drohenden  Haltung  der  Essamasaleleute  ausgegeschlossen.
  Deshalb  nahmen  die  beiden  französischen  Kaufleute  den  Vorschlag
  des  deutschen  Offiziers,  ihn  auf  deutsches  Gebiet  zu  begleiten,  gerne
an.  Sie  trafen  am  12.  Oktober  1907  in  Akoafim  ein  und  setzten  am
13.  Oktober  ihre  Reise  nach  dem  sechs  Tage  westlich  gelegenen  französischen
Grenzposten  Mimvoul  fort.  Nachdem  Herr  Marchesson,  Adjoint  des
Affaires  Indigèenes,  welcher  der  vom  Kapitän  Dujour  geführten  Ngoko-Ogoué
  angehörte,  von  den  oben  geschilderten  Vorgängen  erfahren  hatte,
schlug  er  dem  deutschen  Offizier  eine  Zusammenkunft  vor,  da  es  ihn  dränge,
seine  Dankesschuld  abzutragen.  Der  Chef  des  Verwaltungsbezirks  Ebolova,
zu  welchem  Akoafim  gehört,  Oberleutnant  Heinicke,  ließ  auch  seinerseits
eine  entsprechende  Einladung  an  Herrn  Marchesson  ergehen.  Dieser  traf
mit  seiner  Truppe  am  18.  Oktober  in  Akoafim  ein  und  marschierte  am  19.
nach  der  Gegend  von  Allad  zurück.  Herr  Marchesson  sprach  seinen  warmen
Dank  für  die  den  Kaufleuten  Renault  und  Folquett  geleistete  Hilfe  aus.

15.  März.  (Marokko.)  Die  Franzosen  unter  General
D'Amade  schlagen  eine  Schar  Marokkaner.  In  der  europäischen
Presse  werden  den  Franzosen  Grausamkeiten  gegen  Frauen  und
Kinder  vorgeworfen.

16.  März.  (Deutsch-Südwestafrika.)  Die  Werft  Simon
Coppers  wird  gestürmt,  58  Hottentotten  fallen.  2  deutsche  Offiziere
und  12  Mann  fallen.

Ende  März.  (Marokko.)  Die  Franzosen  haben  große
Kämpfe  mit  dem  Medakrastamm.

Anfang  April.  (Britisch-Südafrika.)  Bei  den  Wahlen
in  Kapland  erhält  die  (holländische)  Südafrikapartei  die  große
Mehrheit.