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und Dankbarkeit ins Gesicht, sondern verfolgt damit auch eine sehr kurzsichtige
Politik. Abgesehen davon, daß Brasilien infolge der verlogenen
Propaganda der Entente, der hinreichend entgegenzutreten wir wegen der
Unterbindung des Verkehrs mit den überseeischen Ländern außerstande waren,
sich anscheinend darüber im Irrtum befindet, zu wessen Gunsten sich die
Schale in dem Weltkrieg schließlich senken wird, schadet es auch sonst seinen
eigensten Interessen durch sein Borgehen. Indem es sich den Ver. Staaten
anschließt, fördert es ihre seit vielen Jahren beharrlich verfolgten ehrgeizigen
panamerikanischen Pläne, die auf eine Beherrschung des ganzen
amerik. Kontinents durch die Union hinauslaufen. Brasilien wird zu seinem
Schaden später erkennen, daß diese Bevormundung, die namentlich eine
Fesselung und Beeinträchtigung seines blühenden Aus- und Einfuhrhandeis
mit den großen europäischen Ländern zugunsten der Nordamerikaner zur
Folge haben wird, nicht gerade zu seinem Vorteile ausschlagen wird. Zunächst
hat Brasilien lediglich den Abbruch der Beziehungen, nicht aber den
Kriegszustand angekündigt. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß es auch
hierin dem Präsidenten Wilson Gefolgschaft leisten wird. Auch ein solcher
Entschluß könnte Deutschland kühl lassen. Sollte sich Brasilien auf Betreiben
der Entente an den in seinen Häfen liegenden deutschen Schiffen oder an
den Personen und dem Hab und Gut der deutschen Kaufleute und Kolonisten
vergreifen, so möge es sich bewußt sein, daß Deutschland solche
Handlungsweise nicht vergessen und früher oder später Mittel und Wege
finden würde, das Land hierfür verantwortlich zu machen.
10. April. (Berlin.) Beginn von Teilstreiks in den Metall-,
Holz= und Transportbetrieben Großberlins.
Bei der Kontrolle des Metallarbeiterverbandes melden sich 210000
Streikende aus etwa 300 Betrieben; im ganzen streiken ungefähr 250000 Mann.
Ueber den ersten Tag des Streiks berichtet die „B. Z. am Mittag“:
Die Arbeiter erschienen teils gar nicht, teils entfernten sie sich nach der
Frühstückspause. In den großen Munitionsfabriken wurde jedoch die Arbeit
von fast allen Arbeitern ausgenommen, und diese Betriebe erfuhren keine
Stockung. Der geschäftliche Verkehr wickelte sich wie gewöhnlich ab. Bon
einem allgemeinen Streik kann keine Rede sein. Die darauf abzielende
Agitation einzelner extremer Wirrköpfe kann als vollständig mißglückt angesehen
werden. Irgendwelche Forderungen sind von den Streikenden
nirgends erhoben worden. An einzelnen Stellen wurden Flugblätter pazifistischen
Inhalts verteilt. Die Arbeitsniederlegungen hatten zum Teil auch
Ansammlungen und Straßenumzüge zur Folge. In den Außenbezirken
formierten sich ganze Trupps von Streikenden, die nach den Hauptzugangsstraßen
zur Innenstadt strömten. Hier stießen sie auf Schutzmannsketten,
die ihnen den Weg versperrten. Einzelnen Abteilungen gelangen es jedoch,
in die Innenstadt zu kommen, wo sie ruhig ihres Weges zogen. Zu Rubestörungen
ist es nicht gekommen. Versammlungen, die in einer Anzahl von
Lokalen stattfanden, hatten ebenfalls einen ruhigen Verlauf.
Durch Vermittlung des Oberbürgermeisters von Berlin Wermuth
kommt es am 16. nachm. zu einer Besprechung zwischen Bertretern der
Streikenden und den für die Ernährungsfragen zuständigen Staatsbehörden.
Nach längeren Verhandlungen wird eine Einigung auf Grund folgender
Zusicherung an die Arbeiter erzielt: Der Staatskommissar für Volksernährung,
Exz. Michgelis, hat in der heutigen Besprechung seine Erklärungen
in der Freitagsverhandlung (s. S. 105 f.) wiederholt, daß hinsichtlich
der wichtigsten Nahrungsmittel, nämlich des Brotes, des Fleisches und der
Kartoffeln, die Sicherheit geboten sei, daß die jetzt für die nächsten Monote