44 Beufsches Reich. (Januar 18.—19.)
der Ernährung zur Verfügung stellen kann. Beim Etat ist auch die wirtschaftliche
Lage in Betracht zu ziehen. Es ist nicht zu leugnen, daß wir
in einer sehr schweren Zeit leben. Deutschland ist allein auf sich und seine
Verbündeten angewiesen, während unseren Gegnern beinahe die ganze Welt
offensteht. Man kann nicht leugnen, daß in allen Kreisen von der Bevölkerung
schwere Entbehrungen getragen werden. Das Ausland weiß das, und
da es ebenso weiß, daß es unsere Waffen, unsere Krieger nicht überwinden
wird, so setzt es seine Hoffnung darauf, daß Mangel und Not und Unzufriedenheit
uns niederzwingen werde. Ich möchte deshalb ein paar Worte
an diejenigen Kreise unserer Bevölkerung richten, die dabei in Betracht
kommen. Die ländliche Bevölkerung hat es gewiß schwer, da ihr alle
Hilfsmittel entzogen sind. Aber trotzdem muß sie noch mehr leisten, es
müssen Opfer gebracht werden. Es gilt die Probe, daß wir alle ein Volk
von Brüdern sind. Das muß auch der ländlichen Bevölkerung noch mehr zum
Bewußtsein kommen. Die Antwort der Entente an den Präsidenten Wilson
sollte in allen Gemeinden angeschlagen werden, damit sie sehen, was ihnen
von unseren Gegnern bevorsteht, wenn der Krieg verloren geht. Da muß
die ländliche Bevölkerung ihren Grund und Boden und alles, was ihr
Dasein ausmacht, hergeben, und Opfer bringen, wie sie kaum die Phantasie
sich ausmalen kann. Die Landwirtschaft hat früher von den anderen Volksteilen
Schutz und Förderung verlangt, jetzt muß sie leisten, was sie versprochen
hat. Wenn später wiederum Forderungen von der Landwirtschaft
für ihre Existenz erhoben werden müssen, soll sie die andere Bevölkerung
auf die jetzige Zeit hinweisen können, das wird sich lohnen und bezahlen.
Die städtische Bevölkerung leidet schwer. Es ist ein trauriges Bild,
wenn die Frauen stundenlang auf Nahrungsmittel warten müssen und schließlich
nichts bekommen, und wenn Preise gezahlt werden müssen, die fast unerschwinglich
sind. Aber wenn allein der Landwirtschaft dafür Vorwürfe
gemacht werden, so verkennt die städtuche Bevölkerung, mit welchen Schwierigkeiten
auf dem Lande jetzt gearbeitet werden muß. Die Bevölkerung wird
auch später auf unsere Landwirtschoft angewiesen sein und sie erhöht nicht
die Leistungsfähigkeit und Leistungsfreud'gkeit der Landwirtschaft durch Vorwürfe,
die die Einigkeit stören. Ihre letzte Hoffnung setzen unsere Feinde
auf unsere Zwietracht. Wenn wir nun auch alle recht sehr darben müssen,
so wollen wir doch unsere Klagen mit uns abmachen und unsere Kämpfer
da draußen damit verschonen. Wir dürfen auch nicht Unzufriedenheit erregen;
gewiß sind nicht alle Verordnungen der Behörden glücklich gewesen,
aber wie soll es besser gemacht werden, wenn derartig neue Anforderungen gestellt
werden. Wir müssen unseren Behörden dankbar sein für ihre ungeheure
Arbeit, das Wenipe. was wir haben, so einzuteilen, daß wir durchkommen.
Militärisch hat uns das verflossene Jahr ganz Gewaltiges gebracht.
Wenn wir bedenken, die furchtbaren Austrengur gen unserer tapferen Truppen
an der Somme, bei Verdun, den Siegeszug durch Rumänien unter der Leitung
des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg, ferner die glänzende Seeschlacht
unserer tapferen Seeleute am Skagerrak und die Leistungen unserer U-Boote,
dann ist kein Dank dafür innig und groß genug. Wir wollen uns keiner
Täuschung hingeben; wir können zwar der Entente in gewissem Sinne dankbar
sein, daß sie in ihrer Antwort an Herrn Präsidenten Wilson die Maske
fallen gelassen hat, aber danach stehen uns noch ganz gewaltige Kraftanstrengungen
bevor. Die Entente macht es wie Kinder, die ein lautes Lied
singen, weil sie sich fürchten. Die Entente hat es uns gezeigt, was uns bevorstehen
soll. Da kann man nicht genug Anerkennung und tiefe Bewunderung
für die Worte unseres Kaisers in seinem Aufruf an das Heer und
an unser Volk aussprechen. Diese herrlichen Worte müssen dauernd im