Beutsches Keich. (Januar 18.—19.) 45
Herzen unseres Volkes festgehalten werden. Das preußische Volk steht hinter
seinem König wie ein Mann und wird ihm folgen, zum Kampf und Sieg,
zu dem er uns führt. Der Appell an die Gerechtigkeit unserer Sache wäre
jast ũberflũssig, aber es ist doch erfreulich, daß die Gerechtigkeit unserer Sache
nochmals betont ist. Es muß eine eiserne Stirn sein, die jetzt in dieser Zeit
noch unseren Einmarsch in Belgien als Unrecht bezeichnen kann, nachdem
die Engländer sich jahrzehntelang vorbereitet haben, uns zu überfallen.
Was unser Kaiser und König von uns verlangt, das ist unsere Pflicht. Wenn
wir siegen wollen, ist es auch notwendig, daß wir ein ganz einiges Volk
sind. Deshalb erörtern meine Freunde jetzt nicht die innerpolitischen
Fragen, die Stunde braucht ein einiges Volk, das wie ein Mann zusammensteht.
Wir haben Besseres zu tun, als innerpolitische Kämpfe zu führen. Den
Krieg zu gewinnen und den Frieden zu erreichen, müssen wir mit allen
Mitteln erstreben. Dazu müssen auch alle Kampfmittel angewendet werden.
Wenn unsere Heeresleitung und unser kaiserlicher Herr es für angebracht
und zeitgemäß erachten, von dem uneingeschränkten U-Bootkrieg
den erforderlichen Gebrauch zu machen, dann wird das preußische und
deutsche Volk auch bereit sein, die Konsequenzen zu tragen. (Stürmischer
Beifall. Abg. Adolf Hoffmann (Soz.): Heller Wahnsinn!) Wir wollen siegen,
das ist die Voraussetzung für alles, was wir nach diesem Kriege erreichen
wollen. Wir müssen verlangen, daß wir in unseren Grenzen anders als
bisher geschützt werden, wir können es uns nicht zum zweiten Male leisten,
in dieser Weise überfallen zu werden. Was unsere Gegner an Schadloshaltung
von uns verlangen, werden wir auch von ihnen verlangen. Wir
werden verlangen, daß unser Volksleben so wiederhergestellt werden kann,
wie es vor diesem entsetzlichen, frivolen Kriege gewesen ist. Wenn wir uns
die Verwüstungen durch diesen Krieg vergegenwärtigen, ist unser ganzes
Volksleben auf Jahrzehnte hinaus in Frage gestellt, wenn wir alles das
zahlen sollen, was von uns gefordert wird. Wir werden auch Garantien
verlangen, wie unsere Gegner sie verlangen, nicht bloß für die Gegenwart,
sondern auch für die Zukunft. Wir wollen ein Volk bleiben, das in der
Welt seine Bedeutung hat, es müssen die Unterlagen gegeben werden, die
imstande sind, diese Zukunft zu erringen und festzuhalten. Was das Jahr
uns bringen wird, weiß Gott allein, wir aber wollen alle unsere Pflicht tun.
Abg. Herold (Zir.): In der Ernährungsfrage werden wir durchkommen,
wenn alle Teile sich voll bewußt werden, daß sie Opfer zu bringen
haben, die Landwirtschaft wie die konfumierende Bevölkerung; wenn alle
Teile in Opfermut und Opfersinn wetteifern, wird das gelingen. Klage zu
führen habe ich auch heute wieder über die mangelnde Parität, über
die Zurücksetzung der Katholiken, bei der es nicht bleiben kann und nicht
bleiben darf, insbesondere für alle die Kräfte, die in der Erziehung und
Seelsorge wirksam sind. Die große Zeit dieses Krieges hat die Volkskreise
einander genähert, das gegenseitige Verständnis ist größer geworden, der
Blick hat sich geweitet; wir dürfen daher hoffen, daß bei den anderen
Parteien die etwaigen Vorurteile, die noch gegen die Katholiken bestehen,
schwinden werden. „Freie Bahn für alle Tüchtigen“, das muß auch für die
Katholiken gelten. Das bestehende preußische Wahlrecht bedarf dringend
einer Reform; es ist eine der obersten Aufgaben der Regierung, eine volkstümliche
Wahlreform vorzuschlagen, sie darf sich dieser Aufgabe nicht entziehen.
Der Mittelstand muß in dieser Reform besser zur Geltung kommen.
Unsere Antwort an Amerika und ebenso die Note der deutschen Regierung
an die Neutralen sind vom deutschen Volke mit voller Anerkennung aufgenommen
worden, auch der kaiserliche Aufruf an das deutsche Volk hat
gezündet und Begeisterung hervorgerufen. Der Krieg ist jetzt in ein neues