Fimland. (Febr. 22.—März 5.) 395
des Umsturzes wird von der Räteregierung in Petersburg offen eingestanden.
Als der finn. Gesandte in P. gegen die Beteiligung russ. Truppen bei den Un-
ruhen in Finnland Einspruch erhebt, gibt der russ. Kriegskommissar folgende Er-
klärung ab: „Nach den in Petersburg eingetroffenen Nachrichten hat die
sozialistische Revolution in Finnland begonnen. Ihren Grundsätzen gemäß ist
die russ. Regierung verpflichtet, das Proletariat in Finnland bei dessen Kampf
egen das finn. Bürgertum zu unterstützen. Das Volkskommissariat sandte den
sine. Roten Garden Hilfe und wird dies auch weiter tun.“ — Die finn.
Regierung legt gegen diese Maßnahmen der russ. Regierung bei den Mächten,
die die Unabhängigkeit F.s anerkannt haben, scharfen Protest ein. (S. „Nordd.
Allg. Ztg.“ 1918 Nr. 63.) — Der Bürgerkrieg in F. dauert bis zum Ein-
treffen der deutschen Truppen (s. 3. April) mit wechselnden Erfolgen für beide
Parteien fort.
22. Febr. Räumung der Alandsinseln durch die Russen.
Das „Schwed. Tel.-Bur.“ meldet amtlich: Unter schwedischer Ver-
mittlung ist zwischen der (finn.) Weißen Garde und den Russen auf Aland
sowie zwischen den Russen und der Bevölkerung von Aland über die Räu-
mung der Inselgruppe ein Abkommen getroffen worden. (S. auch S. 386.)
Am 8. März wird aus Wasa gemeldet, daß der finn. Senat die Alands-
inseln für einen selbständigen Län (Bezirk) erklärt und einen Landhövding
(Landeshauptmann) für diesen ernannt habe.
W. Febr. Hilfegesuch anDeutschland.
Das „WeTB.“ teilt mit, daß die Berliner Bevollmächtigten der finn.
Regierung ein offizielles Gesuch der finn. Regierung um Hilfe an die deutsche
Regierung übermittelt haben.
Die „Voss. Ztg.“ bemerkt dazu: Bei dem Gesuch handelt es sich nicht
nur um die militärischen Gefahren, denen F. durch die Rote Garde und
ihre Petersburger Helfer ausgesetzt ist, sondern auch um die Lebensmittelnot,
der Deutschland abhelfen soll.
1. März. Unterzeichnung der russ.-finn. Liquidationsakte in
Petersburg. (S. Rußl.)
2. März. Beziehungen zum Vatikan. (S. S.326.)
5. März. Landung deutscher Truppen auf den Alandsinseln.
Die finn. Regierung in Wasa erläßt aus diesem Anlaß folgende
Proklamation: Die Landung der Deutschen auf Aland geschieht ebenso wie
ihre Operationen auf dem Festland im Einverständnis mit der finn. Regierung.
Der Oberbefehlshaber der Truppen der Finn. Republik hat der Regierung
mitgeteilt, daß wir, seitdem wir Waffen erhalten haben, mit eigener Kraft
den Kampf gegen die Russen und Roten Gardisten hätten durchführen können,
aber die vielen in Südfinnland verübten Gewalttaten und die Lebensmittelnot
der Bevölkerung, sowie die täglich aus Rußland eintreffenden Bolschewiki-
haufen veranlaßten die Regierung, sich zum Wohle des Landes eines hand-
räftigen Freundes zu bedienen. In Deutschlands Friedensbedingungen für
Rußland steht auch die Bestimmung, daß die russ. Truppen und Bolschewiki
aus F. entfernt werden müssen. Diese Räumung will Deutschland, gestützt
auf seine nach F. entsandten Truppen, überwachen. Deutschland gestattet
nicht, daß russ. Soldaten als Zivilpersonen verkleidet in F. kämpfen und
durch Unterstützung der roten Banditenhorden den deutsch-russ. Friedens-
vertrag betrügerisch umgehen. (S. auch S. 387.)