Full text : Lehrbuch der bayerischen Geschichte.

290  Bayern  unter  Karl  Albrecht.

beschränkte  die  Zahl  seiner  Diener,  reducirte  die  Armee  auf
12,000  Mann  und  ließ  in  allen  Theilen  des  Staatshaushaltes
Ersparnisse  eintreten.  Zur  Tilgung  der  öffentlichen  Schuld,  die
sich  auf  30  Millionen  belief,  ward  nach  dem  Antrage  des  geheimen
  Rathskanzlers  Joseph  von  Unertl  eine  Schuldentilgungs-Commission
  errichtet  und  an  die  Verordneten
der  Landschaft  das  Ansinnen  gestellt,  einen  Theil  der  Staatsschuld
  zu  übernehmen.  Diese  bewilligten  drei  Millionen
jährlich  an  Steuern,  gewährten  rasch  aufeinander  (1728,  1734
und  1735)  drei  außerordentliche  Landanlehen  und  erhoben  von
den  Kapitalien  der  Klöster  und  milden  Stiftungen  die  Summe
von  535,000  Gulden.  Zugleich  bewilligte  der  Papst  für  diesen
Zweck  den  zehnten  Theil  aller  geistlichen  Einkünfte.  Leider  dauerte
das  eingeführte  Sparsystem  nur  bis  zum  Jahre  1729,  wo  Kurfürst
  Karl  Albrecht,  von  Natur  zu  Pracht  und  Freigebigkeit
geneigt,  den  Glanz  seines  Hofes  zu  verjüngen  begann.  So
stiftete  er,  von  einer  Blatternkrankheit  glücklich  genesen,  am
24.  April  1729  den  Hausorden  vom  hl.  Georg  für  katholische
  Adelige,  deren  Abkunft  von  sechzehn  väterlichen  und  ebenso
vielen  mütterlichen  Ahnen  vom  Adel  erwiesen  ist.  Bald  darauf
stellte  er  den  südlichen  und  östlichen  Flügel  der  Residenz,  die  am
14.  und  15.  Dezember  1729  niedergebrannt  waren,  mit  großem
Aufwande  wieder  her  und  führte  an  der  östlichen  Seite  des  Residenzbaucs
  mit  großen  Kosten  ein  Hoftheater  auf,  worin  französische
  Schauspiele  gegeben  wurden  ").  Besonders  große  Summen
kosteten  diesem  Fürsten  seine  Schlösser  Nymphenburg  und
Starnberg,  desgleichen  auch  die  Jagd,  die  er  und  seine  Gemahlin
  leidenschaftlich  liebten.  Da  bei  solchen  Ausgaben  die
kaum  beseitigte  Geldnoth  bald  wiederkehrte,  griff  man  zu  Mitteln,
von  welchen  einige  bis  dahin  in  Bayern  noch  gar  nicht  zur  Anwendung
  gekommen  waren.  Das  Jahr  1734  brachte  die  Verordnung
  einer  Geldabgabe  statt  der  Jagdfrohnden  und
das  Jahr  1735  bescheerte  den  Unterthanen  eine  Hofanlage

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*)  In  diesem  Theater  entstand  1750  ein  Brand,  durch  welchen  außer  dem
Theater  die  Residenz  fast  bis  auf  den  von  Herzog  Max  I  erbauten  westlichen
Tract  eingeäschert  wurde.