424 Rußland. (April 5.—12.)
Maßnahmen im Einvernehmen mit Finnland zu ergreifen. — Am 9. gehen
alle russ. Kriegsschiffe von Helsingfors nach Kronstadt ab. Die 30 Torpedoboote,
410 U.-Boote und 50 Transportschiffe, die nicht weggebracht werden
können, werden entwaffnet.
5. April. Staatsbürgerliche Rechte der Ausländer.
Die „Petersb. Tel.-Ag.“ meldet: Der Hauptvollzugsausschuß der Sowjets
hat einen Erlaß veröffentlicht, womit die Rechte der russ. Bürger umschrieben
werden. Jeder in Rußland wohnhafte Ausländer wird russ. Bürger
nach vorheriger Erklärung und Vorlage seiner Geburtsdokumente beim örtlichen
Sowjet. In besonderen Fällen können Ausländer, die außerhalb der
Grenzen Rußlands leben, russ. Bürger werden, wenn sie ihr Ansuchen an
die die russ. Bundesrepublik vertretenden Behörden richten.
6. April. Einspruch gegen die jap. Landung in Wladiwostok.
(S. Asien, 5. April.)
„Reuter“ meldet aus Petersburg: Ein Manifest des Rates der Volkskommissare
beschuldigt Japan, den Sturz der Republik herbeiführen und
sich Sibiriens bemächtigen zu wollen. Es erklärt Japan für den Todfeind
der Republik und sagt, der Rat verlange eine Erklärung der Alliierten und
warne sie; ihre Antworten würden einen erheblichen Einfluß auf die auswärtige
Politik des Rates haben. — Gleichzeitig erhebt der Volkskommissar
für Ausw. Angelegenheiten Tschitscherin mündlich Einspruch bei den
diplom. Vertretern Frankreichs, Englands, Japans und Amerika, die erklären,
die Landung in Wladiwostok sei eine Maßregel von rein örtlicher
Bedeutung; der Konflikt könne binnen kurzem beigelegt werden. — Im Zusammenhang
mit der jap. Landung in Wladiwostok kommt es zu einer heftigen
Auseinandersetzung zwischen der Sowjetregierung und der Entente.
Am schärfsten spitzen sich die Beziehungen zum franz. Botschafter Noulens
zu, der den Pressevertretern erklärt, daß die Alliierten gezwungen sein
können, in Rußland einzuschreiten, um die deutsche Bedrohung abzuwenden,
die ebenso gegen die Alliierten, als auch gegen das russ. Volk selbst gerichtet
sei. Infolge dieser Erklärung erfolgt am 27. April ein Funkentelegramm
Tschitscherins nach Paris mit der Forderung der Abberufung des Botschafters
Noulens. (S. dazu S. 439.)
6. April. Botschafter für Paris und Wien.
A. Joffe (ehem. Vorsitzender der russ. Friedensdelegation in Brest-Litowsk)
wird zum Botschafter der Sowjetrepublik in Berlin, B. Kamenew
(ebenfalls Mitglied der Friedensdelegation) zum Botschafter in Wien ernannt.
(S. dazu Tl. 1 S. 153.)
7. April. überführung der Zarenfamilie nach dem Uralgebiet.
Die „Petersb. Tel.-Ag.“ meldet: Infolgé der Ereignisse im fernen
Osten ist die Ueberführung der kaiserlichen Familie von Tobolsk nach einer
Stadt im Uralgebiet beschlossen worden. — Am 4. Mai meldet die „Petersb.
Tel.-Ag.“, daß der frühere Zar mit seiner Familie nach Jekaterinburg
(Gouvernement Perm) überführt worden ist.
12. April. Abschluß der Demobilisierung.
„Reuter" berichtet am 3. April aus Petersburg: Die Regierung hat
befohlen, daß die Demobilisierung aller Armeen, die am Kriege gegen Deutschland
teilgenommen haben, am 12. April beendigt sein muß. Die Demobilisierung
der früheren russ. Armee erstreckt sich auf sämtliche Truppenverbände
mit Ausnahme derjenigen, die an der „inneren Front“ Dienst tun.