Metadata : Europäischer Geschichtskalender. Fünfter Jahrgang. 1864. (5)

Utbersicht  der  Ertignisse  des  Jahrts  1861.  407

wig-Holstein  in  welcher  Form  immer  zugestehen  wollten;  erst  da  trat  in  Deutss-Preußen
  der  Gedanke,  das  wesentlich  durch  seine  Truppen  von  den
Dänen  „eroberte“  Land  für  sich  zu  erwerben,  unumwunden  an  den
Tag.  Von  da  an  schwirrken  aber  auch  Annexionsideen  in  Preußen  förmlich
  in  der  Luft.  Offen  und  mit  einer  gewissen  Autorität  begegnen
wir  dem  Gedanken  zuerst  in  der  wohne  allen  Zweifel  von  der  preuß.
Regierung  selbst  veranlaßten  Adresse  des  Grafen  Arnim-Boytzenburg
vom  11.  Mai  an  den  König,  durch  welche  die  endliche  Lossagung
Preußens  vom  Londoner  Vertrage  motivirt  werden  sollte.  „Wir
halten  —  heißt  es  darin  —  die  Trennung  des  deutschen  Schleswigs
und  Holsteins  von  Dänemark  und  ihre  Vereinigung  zu  einem  Ganzen,
  sei  es  unter  einem  eigenen  Landesherrn  und  dem  wirksamen
Schutze  eines  mächtigen  deutschen  Staates,  sei  es  als  ein  Theil  dieses
  letztern,  für  die  einzige  Lösung,  welche  die  Opfer  lohnt,  die  wir
gebracht  haben“.  Vorsichtig  ließ  indeß  Preußen  die  zweite  Möglichkeit,  die
weder  dem  allürten  Oesterreich  noch  den  übrigen  Großmächten,  deren
Mißtrauen  gegen  Preußen  ohnehin  wach  war,  conveniren  konnte,
vorerst  gänzlich  bei  Seite  und  trug  kaum  vierzehn  Tage  später  mit
Oesterreich  darauf  an,  die  Herzogthümer  Holstein  und  Schleswig,
wenigstens  das  deutsche  Schleswig  zwar  gänzlich  von  Dänemark  zu
trennen,  aber  ausdrücklich  unter  dem  Erbprinzen  von  Augustenburg.
Die  Dänen  lehnten  jedoch  den  Vorschlag  unbedingt  von  der  Hand,
die  Londoner  Conferenz  ging  ohne  Resultat  auseinander,  der  Krieg
wurde  wieder  aufgenommen  und  führte,  da  den  Dänen  von  keiner
Seite  active  Unterstützung  zu  Theil  ward,  nunmehr  bald  zu  dem
Ende,  daß  sie  sich  genöthigt  sahen,  um  Frieden  zu  bitten.  Jetzt  war
die  Stellung  Preußens  eine  ganz  andere.  Von  nun  an  traten  seine
Ansprüche  auf  die  Oberhoheit  über  die  Herzogthümer  oder  wo  möglich
  auf  die  völlige  Annexion  derselben  immer  lauter,  immer  entschiedener
  zu  Tage.  Seinem  eigenen  Antrag  vom  28.  Mai  zu  Gunsten
des  Augustenburgers  betrachtete  es  durch  die  Nichtannahme  desselben
von  Seite  der  Londoner  Conferenz  als  dahingefallen  und  als  weiter
durchaus  unverbindlich.  Zu  Förderung  seiner  eigenen  Pläne  wurden
dagegen  am  1.  Aug.  die  Friedenspräliminarien  und  am  30.  Oct.
der  endliche  Friede  mit  Dänemark  ohne  Zuzug  weder  eines  Vertreters
  des  deutschen  Bundes  noch  eines  solchen  der  Herzogthümer
abgeschlossen,  dazu  mußte  Dänemark  in  ebendenselben  alle  seine  „Rechte“