Die Verwaltungsorganisation. 29
derjenigen selbständigen Bankanstalt, der die Nebenstelle bisher untergeordnet war. In
zahlreichen Bezirken hat sich im Lauf der Zeit der Geschäftsverkehr der Reichsbank so
ausgebreitet und bei gleichzeitiger Steigerung der Arbeitslast so intensiv gestaltet, daß
den selbständigen Bankanstalten vielfach die Uebersicht über ihren eigenen unmittelbaren
Bezirk wie über den ihrer blühenden und sich immer mehrenden Nebenstellen außerordentlich
erschwert ist. Namentlich wegen der oft recht komplizirten Kreditverhältnisse
eines Bezirks, deren genaue Beobachtung für die Reichsbank die allergrößte Bedeutung
hat, war und ist gegebenen Falles eine Theilung zu groß gewordener Bezirke unbedingt
erforderlich. Bei Gründung der Reichsbank wurden, sofern selbständige Kommanditen
der Preußischen Bank vorhanden waren, diese als Reichsbankstellen übernommen, im
Uebrigen eine Neihe von Stellen neu errichtet. Im Lauf der 25 Jahre sind,
abgesehen von den Stellen, welche im Jahre 1876 errichtet worden sind, noch diejenigen
in Stolp (1877), Cottbus (1883), Cöslin (1889), Duisburg (1892), Wiesbaden (1894),
Bochum (1896), Darmstadt (1897), Plauen (1897), Hildesheim, Ulm (1898),
Freiburg (1899), Schweidnitz, Allenstein, Insterburg, Barmen und Fulda (1900)
hinzugetreten. ·
Die Eintheilung, die 1876 vollauf gerechtfertigt und ausreichend erscheinen mußte,
war es in späteren Jahren nicht mehr. Es liegt aber auf der Hand, daß die in der
Zunahme der Bevölkerung und der dauernden geschäftlichen Entwickelung begründete
steigende Belastung mancher Stellen sich in Zeiten der Hochkonjunktur besonders fühlbar
machen mußte. Die gewaltigen Umsatzziffern und großen Gewinne mancher Bankbezirke
brachten dies auch zahlenmäßig zum Ausdruck. Gerade die letzten Jahre des wirthschaftlichen
Aufschwungs haben daher besonders zu Veränderungen in der territorialen
Organisation der Reichsbankstellen Anlaß gegeben. Während in der ersten Hälfte der
25 jährigen Periode die Jahl der selbständigen Bankanstalten nur um zwei zugenommen
hat, hat sie sich in der zweiten Hälfte um nicht weniger als 14 vermehrt, von denen
allein 11 auf die letzten 5 Jahre entfallen.
Die Errichtung der Unteran stalten ist lediglich Sache des Reichsbank Direktoriums;
sie erfolgt überall da, wo ein Bedürfniß dazu vorliegt. Nicht immer ist indessen schon
von vornherein mit einiger Sicherheit festzustellen, ob und in welcher Weise der Verkehr
an einer neuen Nebenstelle sich entwickeln wird. In Räücksicht auf die hohen Kosten
der Errichtung und Unterhaltung, zugleich auch um bei den maßgebenden Kreisen des
betreffenden Ortes eine ernste Prüfung der — erfahrungsgemäß von diesen stets leicht
bejahten — Bedürfnißfrage zu veranlassen, hat das Reichsbank Direktorium seither in
zweifelhaften Fällen immer gewisse von den städtischen Behörden oder den Handelskreisen
zu erfüllende Bedingungen gestellt; doch haben dieselben, da sie fast immer nur für eine