Full text : Königlich Württembergisches Staats- und Regierungs-Blatt vom Jahr 1817. (12)

*5

Auf  gleiche  Weise  ist  der  Ober-  Hof.  Rath  die  competenke  Behbrde  in  allen  Jällen,
  bey  welchen  Dienst-Verfehlungen  der  obgedachten  Arc  gegen  andere  Hof,
Beamte  und  Diener  der  angezelgten  Elasse,  sse  mögen  nun  Mitglieder  des  Ober-Hefraths
  selbst  seyn  oder  nicht,  zur  Sprache  kommen.

Der  Ober-Hof-Rath  ist  für  solche  Fälle  ermächtigt,  die  erforderliche  Unterfuchung
  einem  von  seiner  Wahl  abhängenden  Königl.  Beamten  zu  übertragen,  und
kann  nach  pflichtmäßigem  collegialischen  Erachten  die  Entlassung  des  Schuldigen
aussprechen,  hat  Sr.  Königl.  Maj.  aber  diese  Verfügung  vor  ihrem.  Vollzuge
zur  Bestarigung  vorzulegen.

IV.)  So  wie  nun  Se.  Königl.  Mas.  ehne  den  auf  eine  solche  unparcheyische  Untersuchung
  gegründeten  Cellegial,  Antrag  des  Geheimen  Rarhs  oder  des  Ober  Hof-Naths
  miemals  die  Entlassung  (Dimisson)  gegen  einen  Ihrer  Dber-Hofbsamten
oder  Deener  der  oben  bezeichneten  höheren  Classen  verfügen  werden:  So  behalren
Sich  Allerhöchst  Sie  dagegen  vor)  seden  derselben,  unter  Beybehaltung  der
Hälfte  des  von  ihm  bezogenen  Dienst=  Einkommens,  nach  freyer  Willkühr  entweder
  aus  Ihren  Hof-Diensten  ganz  zu  entfernen,  oder  auf  eine  andere  Stelle  ohe
e  Verkürzung  seines  Gehalts  zu  versehen.  Stuttgart,  den  20.  Dec.  1816.

Auf  Befehl  des  Königs.  Königl.  Geheimer  Rat#.

Die  bberhandnchmende  Auswanderungssacht  betreffend.

Die  seit  einiger  Zeit  in  mehreren  Gegenden  sich  zeigende  Auswanderungssucht
scheint  neuerlich  in  einem  solchen  Grade  zuzunehmen,  daß  sie  nicht  nur  dem  Soaat  verderblich
  zu  werden,  sondern  auch  eine  große  Anzahl  von  Staatsbuͤrgern  samt  ihren  Familien
  in  unabsehbares  Elend  zu  versenken  droht.

So  wenig  man  gemeknt  ist,  densenigen,  welche  durch  Veränderung  ihres  Wchnorts
  in  der  gesetzlichen  Ordnung  ihr  Schicksal  zu  verbessern  Gelegenheic  finden,  ein  Hinderniß
  in  den  Weg  zu  legen:  so  sehr  ist  es  doch  die  Pfliche  seder  gurgesiunten  Obrigkeit,
ibre  Angehdrigen  vor  Schricten  zu  wannen,  bei  welchen  ste  same  den  Ihrigen  das
Oofer  ihrer  verkehrten  Ansichten,  ihrer  Leicheglaubigkeit  oder  ihrer  Unbesonnenheit  werden.

Schon  diesenigen,  welche  in  Hinsicht  auf  eine  Niederlassung  in  einem  benachbarten
  Srtaace  ihr  angebohrnes  Bürger=  und  Unterthanen-  Recht  aufkünden,  ohne  zuvor  der
Aufnahme  in  dem  neuen  Wohnort  versschert  zu  seyn,  Wachen  sich  eines  nicht  zu  rechefertigenden
  Leichesinnes,  schuldig,  wenn  sie  auf  solche  Art  ihren  ganzen  bürgerlichen
Rechts  iustand  aufs  Spiel  setzen,  und,  da  sowohl  dltere  als  neuere  Verordnungen  es
den  obrigkeitlichen  Srellen  zur  Pflicht  machen,  die  Wiederaufnahme  solcher  Ausgewanderten
  auf  keine  Weise  zu  begünstigen:  se  haben  sse  es  ssch  selbst  zuzuschreiben)  wenn  ste
ahne  Nachsiche  als  murhwillige  Vaganten  behandelst  werden.  ·

Norh  unentschuldbarer  abet  sind  die  vielen  Emigranten,  welche  eine  Heimath  in
gonz  entfernten  Staaten  suchen,  deren  Lage,  natürliche  Beschaffenheit  und  bürgerliche
Verhältmiste  ste  entweder  gar  nicht  oder  nur  aus  ganz  unbestimmten  und  unzuverläßigen
Nachrichten  kennen,  und  die  es  nicht  einmal  einer  reifern  Ueberlegung  werth  finden,
welchen  Gefahren  und  Bedrängnissen  sie  sich,  ihre  Weiber  und  ihre  zum  Theil  noch