Beutsches Reich. (März 16.) 311
den polytechnischen Verein usw., und es wird geprüft werden, ob diese
verschiedenen Stellen zusammen nicht eine Art von Büro bilden können,
damit man nicht von einer Stelle zur anderen gehen muß. Wenn es ohne
verhältnismäßig hohe Kosten geht, dann soll eine solche Stelle geschaffen.
werden. An den neuen Geschützwerken, dem geplanten großen Aluminiumwerk
und ähnlichen Projekten, haben wir für Bayern recht große und erfreuliche
Anfänge. Es genügt aber nicht, diese Industrien hereinzubekommen,
sondern man muß sie vom Staat und von der Gemeinde aus durch möglichste
Behebung aller Schwierigkeiten auch nach der Ansiedelung unterstützen,
sonst werden andere abgeschreckt. Nach dem Krieg Arbeit in größtem
Umfang zu beschaffen, ist unser ernstes Bestreben. Der Walchensee wird
bald Arbeit liefern, der Kanalausbau erst später. Es sind aber schon verschiedene
baureife Projekte vorhanden, das Ministerium hat darauf gedrungen,
daß alle solchen Projekte möglichst für den Friedensschluß bereitstehen,
und es wird demnächst kontrolliert werden, ob alle Aemter diese Bereitschaftsstellung
bereits eingenommen haben. Ein festes Arbeitsprogramm
kann jetzt noch nicht aufgestellt werden, weil die Rohstoffversorgung noch nicht
gesichert ist. Der Ausbau unserer Wasserkräfte und Wasserwege ist jetzt
in einem Maße in die Wege geleitet, wie man das früher nicht geglaubt
hätte. An der Förderung der Industrie müssen auch die Gemeinden in
ihrem eigenen Interesse mitwirken, und durch eine zielbewußte örtliche
Propaganda sind schon gute Erfolge erzielt worden. Die Mitwirkung des
bayerischen Kapitals ist auch der Regierung erwünscht, und unsere größeren
gemischten Banken haben sich bereit erklärt, Projekte der Industrieförderung
zu prüfen und zu finanzieren. Wir müssen darauf sehen, daß vor allem
die Bodenschätze, die auch nach dem Krieg in Wertschätzung bleiben, in
den richtigen Händen sind, und daß kein Raubbau getrieben wird. Einen
Syndikatszusammenschluß kann die Regierung nur so weit fördern, als er
nicht auf Kosten der Konsumenten geht. Die planmäßige Zurückführung
unserer Arbeiter aus dem Feld in die Friedenstätigkeit ist eine außerordentlich
schwierige und wichtige Frage. Die bayerische Regierung steht
auf dem Standpunkt: Wir sind es den Kämpfern draußen schuldig, alles
zu tun, um ihnen die Rückkehr in gedeihliche Verhältnisse zu erleichtern.
In dieser vaterländischen Pflicht muß alles zusammenarbeiten, auch die
bayerische Regierung, es muß für ausreichende Arbeitsgelegenheit und für
die Wiederaufnahm und den weiteren Ausbau der sozialen Gesetzgebung
gesorgt werden. Die Erhaltung eines gesunden und zufriedenen Arbeiterstandes
ist ebenso unbedingt notwendig wie die Erhaltung eines Mittelstandes
und einer leistungsfähigen Industrie. Und daß diese Wiederaufrichtung
gelingen muß, glaubt jeder, der gesehen hat, welcher ungeheuren Anstrengung
das deutsche und das bayerische Volk fähig gewesen ist.
Am 16. werden die vorliegenden Anträge und Petitionen nach den
Ausschußbeschlüssen angenommen.
16.—17. März. Besuch des Reichskanzlers in Wien. (S.Osterr.-Ung.)
16. März. (Reichstag.) Dem Hause geht eine Denkschrift über
die Ausgestaltung des Oriental. Seminars zu einer Reichsanstalt zu.
16. März. (Bayer. Abgeordnetenkammer.) Gemeindewahlen.
Der Antrag Schmid (Soz.) u. Gen. betr. Vorlagen eines Notgesetzes
für die Aussetzung der Gemeindewahlen bis ein Jahr nach Beendigung
der Feindseligkeiten wird einstimmig angenommen. Bei der Aussprache
über den Vollzug des Gemeindebeamtengesetzes werden von lib.
und soz. Seite Klagen vorgebracht, worauf der Vertreter der Staatsregic-